Jahrgang 
51 (1948) / N.S. 2
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Stand und Aufgaben der österreichischen Volks-

kunde

Von Leopold Schmidt

Wenn ich in diesem Kreis ¹) versuche, den gegenwärtigen Standund die künftigen Aufgaben der Volkskunde unseres Landes zuskizzieren, dann hieße es zweifellos Eulen nach Athen, beziehungs-weise wienerisch ausgedrückt, Wasser in die Donau tragen, würdeich zunächst von den Aufgaben und Methoden der Volkskunde.im allgemeinen sprechen. Denn hier, auf dem gewissermaßenklassischen Boden der österreichischen Volkskunde, hat es ja nieernsthafte Diskussionen über die Volkskunde als die Wissenschaftvom Leben in überlieferten Ordnungen gegeben. Auch bei größerenoder geringeren persönlichen Meinungsverschiedenheiten der ein-zelnen Vertreter der Volkskunde als Wissenschaft war doch dieÜberzeugung von ihrer Wichtigkeit als Grunddisziplin und die Ein-sicht in ihre unausschöpflichen Erkenntnismöglichkeiten immer voll-gültig vorhanden. Ich kann mich daher darauf beschränken, heutevon der ganz konkret gegebenen Situation unseres Faches zu spre-chen. Ich tue dies mit ganz besonderer Betonung dessen, was vonhier, von Verein und Museum aus immer bereits dafür geleistetwurde, wie auch in Hinblick auf die Aufgaben, welche uns geradehier bevorstehen.

Denn die Erneuerung Österreichs, welche uns die alte For-schungsfreiheit wiedergegeben und somit die Grundlage für unseregesamte Arbeit wieder tragfähig gestaltet hat, dieses große histo-rische Ereignis hat unsere Wissenschaft weder in besonders gün-stigen Umständen angetroffen, noch auch bisher in solche versetzenkönnen. Nach wie vor beruht der allergrößte Teil dessen, wasgedacht und getan werden kann und muß, auf der privaten Initia-tive, auf der selbstlosen Hingabe eines kleinen Häufleins von For-schern. Die Zentren sind nach wie vor unser Verein, und die Museenhier, und in den Landeshauptstädten, und schließlich die Lehrmög-lichkeiten an den drei Universitäten des Landes. Für die Förderungder allgemeinen Kenntnisse auf unserem Gebiet leisten davon einst-weilen die Museen zweifellos noch immer das meiste. Ihr Anschau-ungsmaterial hat sich als der beste Lehrstoff erwiesen, und tut dies