Jahrgang 
50 (1947) / N.S. 1
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satirisch übersteigerten Form. Er erzählt nämlich in seiner 109.Novelle von einer Florentinerin, die ein Fäßchen aus Wachs, unabotte di cera, gelöbnismäßig an die Annunziatakirche der Ser-viten stiftete, weil ihr Geliebter, ein Mönch, allmählich bei ihr einFäßchen Wein, una botte di vino", austrank, ohne daß der-ab-wesende Gemahl es bemerkt hätte: Onde la donna fece fareuna botte di cera, e mandolla alla detta Annunziata de' Servi, peraver vota una botte di vino, e per essere tornato il suo marito dipodesteria senza la memoria 10)."

Inwieweit eine solche Opfergabe tatsächlich möglich gewesenwäre und wieviel von dieser Erzählung auf Rechnung der fein-pointierten Novelle zu buchen ist, mag dahingestellt bleiben. Jeden-falls wird die Sitte des geformten Wachsopfers für die Frühzeitdes 14. Jahrhunderts damit bezeugt, und gleichzeitig auch dieHauptstätte dafür in Florenz, die Servitenkirche Annunziata, vonder ja Sacchetti selbst in dem seinen Novellen angehängten Briefan Jacomo di Conte da Perugia berichtet, daß ihre Mauern samtdem Dach durch die Last der aufgestellten und aufgehängtenWachsopfer einstürzen hätte müssen, wären sie nicht vor kurzemverkettet worden ¹¹). Auf diese Kirche bezieht sich dann auch dieWachsopfer- Anekdote im sogenannten Tagebuch AngeloPolizianos, einer Schwanksammlung aus dem Florenz des15. Jahrhunderts. Der 361. Schwank lautet nämlich: Ein Bauerhatte gelobt, ein Wachsbild seines kranken Esels zu den Servitenzu stiften, und der Wachsbildner fragte ihn: Wie soll ich ihnmachen?', womit er meinte, ob er ihn mit dem Packsattel oderledig machen solle. Der Bauer, der es anders verstand, sagte:, Mach ihn nachdenklich; denn wenn ich ihn belade, hat er vielNachdenkliches ¹²)."

Selbstverständlich stand die Wachsopfersitte auch außerhalbvon Florenz in Blüte, und auch die Novellistik des übrigen Italienspiegelt sie ab und zu in sehr bezeichnender Weise. Masucciovon Salerno verwendet in der Novelle Das hölzerneSchwert 1) um 1480 das Motiv wieder ganz in der Art Boccaccios.In diesem Fall geht es um die wächserne Nachbildung eines abnormgroßen männlichen Geschlechtsteiles, durch deren hölzernes Vor-bild eine gelungene Fopperei in Szene gesetzt worden sein soll.Aus der Erzählung läßt sich am ehesten wohl die Darlegung desangeblichen Gelöbnisses herauslösen, die bei aller satirischenGrundeinstellung doch den Votivbrauch spiegeln dürfte:, Noch sindnit allzuviel Tage vergangen, daß einen gewissen Herrn Doktorder Rechtsgelahrtheit eine harte und gefährliche Schwachheitseines geheimen Gliedes überkam; dieweil nun keine Arznei einesMedicus irgend geholfen und er schon ganz in Verzweiflung ge-

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