Joachim aus dem Servitenorden( gest. 1305) macht.Der Kranke gelobte, falls ihn der Selige heile, barfuß von Florenznach Siena zu pilgern, dort ein Wachsbild von seiner Körpergrößeniederzulegen und außerdem noch eine Kerze für die Beleuchtungdes Fronleichnams zu stiften 7).
Wieder in die franziskanische Sphäre gehört das Zeugnis ausden ,, Blümlein des heiligen Antonius von Padua",der volkstümlichen italienischen Übersetzung des Liber miraculo-rum aus dem 15. Jahrhundert. Der völlig mirakelbuchartige Berichtdes XXXVI. Kapitels lautet dort:„ Ein Knabe aus Padua namensHeinrich litt, infolge seines stark angeschwollenen Halses, großeSchmerzen. Nachdem aber die Mutter das Gelübde getan hatte,einen wächsernen Hals zum Grabe des heiligen Antonius zu bringen,wurde er plötzlich geheilt. Als jedoch die Mutter die Erfüllungihres Gelübdes hinausschob und damit säumte, schwoll der Halsneuerdings unter noch viel größeren Schmerzen an. Nun betrübtesich die Mutter wohl gar sehr über ihr Versäumnis und versprachdem Heiligen von neuem, den schon versprochenen Hals zu brin-gen. O Wunder! Unverweilt wurde der Knabe gesund 8)." DieWachsopferspende ist hier also völlig geläufig, die strafwunder-artige Färbung des mirakelbuchähnlichen Legendentextes gehörtder besonderen Atmosphäre des hl. Antonius von Padua an, beidem sich auffallend viele derartige Ereignisse finden. Ihre eigen-tümliche Charakteristik, die das italienische Volkstemperament zuspiegeln scheint, hat zweifellos zu der satirischen Behandlung vielbeigetragen, der diese Legendenformen sehr bald preisgegeben seinsollten. Damit steht aber zweifellos auch die Aufnahme des Wachs-opfers als Novellenmotiv in Zusammenhang.
Die gleiche Votionsart wird nämlich auch in der literarischberühmtesten Quelle geschildert, welche die Opferung wie dieOpfergabe als Motiv in die Novelle einführt, in der drittenNovelle des sechsten Tages von Boccaccios Dekameron,,, Bruder Rinaldo schläft bei seiner Gevatterin". Rinaldo übergibtseinem geistig etwas schwachen Gevatter das Kind, dem er an-geblich die Würmer vertrieben haben soll, mit den Worten:„ Da,nehmt euren Sohn hin, der mit Gotteshilfe wieder gesund gewordenist, da ich vor einer Stunde glaubte, daß ihr ihn auf den Abendkaum noch lebendig finden würdet; und laßt vor dem Bilde desheiligen Ambrosius, um dessen Verdienste willen Gott euch dieseGnade erwiesen hat, eine Statue von Wachs in seiner Größe zumLobe Gottes setzen 9)." Boccaccio hat jedoch das Motiv des Wachs-opfers nicht in die Novellistik eingeführt. Schon Franco Sac-chetti, der erste Klassiker der Florentiner Erzähler, kennt es,und zwar in einer sehr merkwürdigen, zweifellos schwankmäßig-
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