Jahrgang 
50 (1947) / N.S. 1
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nächst nur von der Wachsspende im allgemeinen berichten, nichtaber von den geformten Wachsvotiven 4). An die Stelle dieserBezeugungen können nun einige Belege aus der volkstüm-lichen Erzählungsliteratur treten, welche für die Zeitvom 12. bis zum 15. Jahrhundert, und zwar für Italien und fürDeutschland das geformte Wachs votiv mit aller Deut-lichkeit schildern. Es sind die beiden äußersten Eckpfeiler dervolkstümlichen Erzählung: die Legende einerseits und derSchwank anderseits, welche diese Zeugnisse bieten. Die Le-gende bringt Schilderungen derartiger Votivgaben zur Verdeut-lichung der Macht eines Heiligen in biographischer Absicht, unddamit also völlig zeitgetreu. Die Sitte der Opferung ist damit zwei-fellos mindestens für die Zeit der Abfassung einer solchen Legende,und mit fast derselben Sicherheit auch für die Zeit der dargestell-ten Persönlichkeit belegt. Der Schwank in den Formen der No-velle, vor allem der florentinischen Kurzgeschichte der Frührenais-sance, spiegelt dagegen die Sitte in satirischer Absicht, und scheintsomit nicht minder zeitgetreu, da keine Satire wirksam erscheint,die nicht zeitbezogen ist. Hier ist die Opfersitte also für die Zeitder Novellisten festgehalten. In beiden Fällen aber handelt es sichum eine Spiegelung aus der Geschichte der Opfersitte, wie sieweder durch urkundliche Belege noch durch ähnliche Zeugnisseauch nur ähnlich stark aufgewiesen werden kann. Die bildlicheBezeugung, welche diesen Schilderungen gleichkommen könnte,setzt ja, soweit bisher zu sehen ist, erst ein Jahrhundert nachihnen ein 5).

Die italienischen Belege sollen hier nur eine ersteGrundlage der Betrachtung bilden. Zweifellos sind sie in vielgrößerer Zahl vorhanden, als hier ersichtlich zu machen ist. Vorallem mag die italienische Heiligenlegende sehr viel Material er-geben, während jetzt die Novelle zahlen- und auch darstellungs-mäßig im Vordergrund steht.

Der älteste Beleg scheint in der Vita Sancti Franciscigegeben zu sein( 13. Jahrhundert), in der eine, imago cereaaegroti", also das Wachsbild eines Kranken erwähnt wird). Obes sich dabei um ein reines Abbild oder um ein Abbild in Lebens-größe handelt, ist nicht ersichtlich. Da in der Frühzeit des Wachs-opfers aber der materielle Wert neben dem Bildgedanken nocheine große Rolle spielt, der durch den Gedanken der Anähnelungdurch gleiches Maß und gleiches Gewicht magisch betont erscheint,dürfte es sich auch dabei um ein Wachsvotiv in Lebensgröße ge-handelt haben, von dem der zweite legendarische Bericht aus Ita-lien völlig deutlich erzählt. Es handelt sich dabei um ein Gelöbnis,das ein Kranker anfangs des 14. Jahrhunderts dem seligen

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