Jahrgang 
50 (1947) / N.S. 1
Seite
86
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Zur Geschichte des Wachsopfers im Mittelalter

Von Leopold Schmidt

Die ältere Geschichte der geformten Opfer ist auf weitenStrecken schwer zu erhellen, da es an erhaltenen Votivgaben selbstfast durchwegs fehlt. Die Eisenopfer lassen sich wohl form-geschichtlich zum Teil zurückdatieren und durch die Funde vonPflaumloch als belegt erweisen ¹). An Holzopfern ist kaum etwaserhalten, an Wachsopfern ebenfalls nicht. Für den Werkstoff Eisenwerden Altersbeziehungen in Hinblick auf die vor- und früh-geschichtlichen Bronzevotive angeknüpft, für Holz lassen sich diekirchlichen Verbotsbestimmungen weitgehend heranziehen 2). DieAltersbestimmung der Wachsvotive dagegen scheint bisher nochsehr unklar). Die allgemeine Annahme des Zusammenhanges mitItalien und der Vermittlung durch die missionierende Kirche inDeutschland gibt nur einen ganz weiten Rahmen, innerhalb dessensich die Geschichte der Gestaltdarstellung, vor allem die Abbildungdes menschlichen Votanten, abgespielt haben muß.

Quellenmäßige Belege der Wachsspende führen in diesem Zu-sammenhang nicht sehr viel weiter. Die Sitte des kirchlichenWachsverbrauches war im Mittelalter dermaßen weitgehend, daßeine Unterscheidung des geformten und des ungeformten Wachsesvor den eigentlichen Mirakelbüchern kaum vorgenommen wurde.Vor diesen hat sich bisher nur ein einziger, allerdings sehr früherBeleg finden lassen, den man vermutlich am besten in die Vorläufer-geschichte der Mirakelaufzeichnungen einordnen wird, nämlich dieAndeutung über die Opferung einer Hand aus Wachs am Grab derhl. Ida aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts. Die Chronikstelleberichtet, einer gelähmten Frau sei im Traum bedeutet worden,,, ut instar semivivae manum ceream formando exprimeret et adsanctae Idae tumulum deferret." Diese seit langem bekannteChronikstelle 3a) gilt jedoch als Sonderfall; die im nachfolgendengebotene Untersuchung, besonders des Augenopfers der sel. Herluca,mag freilich beweisen, daß sie das nicht ganz gewesen sein muß,

Im allgemeinen gilt aber doch, daß alle Zeugnisse, auch dieMirakelbücher der großen spätmittelalterlichen Wallfahrten zu-

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