Jahrgang 
50 (1947) / N.S. 1
Seite
70
Einzelbild herunterladen
 

Desgleichen ist über ein deutsches Kärntner Volksschauspielvom Reichen Prasser nichts Näheres bekannt, das der KärntnerBauer Andreas Schuster vulgo Drabosnjak 13) aus Stern-berg bei Velden ins Kärntner Windische übertragen hat. Von Dra-bosnjak, wie ihn die slowenische Forschung ausschließlich nennt,sind mehrere Bearbeitungen deutscher Volksschauspiele bekanntund erhalten, die er für seine windischen Landsleute zu Anfang des19. Jahrhunderts übersetzte. In unserem Spiel wird aber selbst derTitel verschieden angegeben. So geht daraus nicht mit Sicherheithervor, ob es ein reines Prasserspiel wie das burgenländischewar oder eine Komödie von den sieben Hauptsünden mit derPrasserszene als Mitte 14). Jedenfalls wurde noch 1926 in Kösten-berg, dem alten Passionsspielort mit deutscher und seit dem Be-ginne des 19. Jahrhunderts auch mit windischer Spielüberlieferung,nahe der Heimat jenes A. Schuster- Drabosnjak ein deut-sches Prasserspiel aufgeführt 15).

Alle oben aufgezählten Spiele, die steirischen sowohl, als auchdas besonders bunt ausgestaltete kärntische, sind Prasser- undHauptsündenspiele. Sie werden als solche schon in den einzelnenAnkündigungen vorgestellt:

,, eine Schönne Komede anzukinden

eine Vorstellung von den Siben Haupt Sinden,eine Schöne Komede zu kinden an

gleich wie es den Reichen Praser ist ergang..."( nach L 1815).

Es handelt sich also in der Tat ursprünglich um ein Spiel vomreichen Manne und vom armen Lazarus, um einenvolkstümlichen Nachklang jener Fülle von Renaissancedramendieses Stoffes, der wie das Thema vom Verlorenen Sohn und wieder Jedermann so sehr dem Weltgefühl der Renaissancedichtung,ihrer Abkehr vom großen Mysterienspiel des Oster- und Weih-nachtsfestkreises und ihrem Suchen nach einem individuellenSchicksal entsprach, das doch auf das allgemein Gültige, Sym-bolische hin gestaltet wurde. Das Prasser- Lazarus- Thema gehörtseit der Blüte in den italienischen rappresentazioni sacre( Lazaroricco e povero) und im Humanistentheater lateinischer und deut-scher Zunge, besonders in den Schulaufführungen der Ordens-bühnen( Jesuitentheater) 16) bis tief in den Spätbarock zum festenThemenkreis des dramatischen Schaffens. Es ist ein individuellesSchicksal nach dem selbst schon dramatisch aufgebauten biblischenBericht( Lucas XVI, 19--31), das, wie beim Totentanz und Jeder-mann( Homulus, Hecastus, Everyman), ins Typische des Men-schenschicksals gewendet, gerade im 16. als dem Jahrhundert desÜberganges vom Zusammenbruche des Spätmittelalters zumschmerzlichen Werden einer neuen Zeit mit den Wirren religiöser

70