Es mag zunächst auffällig erscheinen, wieso zwei so wider-spruchsvolle Dinge, wie Religion und Magie, zugleich die Haupt-elemente des Volksglaubens darstellen können, als dessen Trägerdoch schließlich die nämlichen Menschen in Betracht kommen. DieErklärung liegt in der Natur des nichtreflektierenden Volksmen-schen begründet. Er handelt eben aus dem augenblicklichen ge-fühlsmäßigen Impuls heraus, triebhaft und unüberlegt. Sein Denkenist daher in hohem Maße indifferent in bezug auf logische Wider-sprüche. Dafür ist er viel zu erlebnisnah. Bald ist er selbstsicherund stolz, fühlt sich ganz als Herr der Welt und der von ihm vor-gestellten Naturkräfte, und kommt so zu magischen Handlungen,die er mitunter sogar durch sachliche Erkenntnisse für begründethält, dann wieder erkennt er sich in all seiner unbedeutendenKleinheit und Ohnmacht gegenüber dem unermeßlichen gott-beherrschten Weltall und nimmt zu Gebet und Opfer seine Zuflucht.
So sehen wir denn auch, daß Religion und Magie das Handelndes Menschen nicht nur hintereinander bestimmen, sondern häufigin enger Verflechtung gleichzeit auf ihn einwirken können. DieseMischung ist manchmal mehr äußerlich, wie etwa bei den Zauber-formeln mit christlichem Personenapparat, die ja ihrer innerenNatur nach rein magisch geblieben sind, und die christlichen Na-men nur mangels wirkungsvoller anderer verwenden: sie gehtschon tiefer bei jenen Texten, die eine Mischung zwischen Gebetenund Beschwörungsformeln darstellen.
Ich bringe wiederum als Beispiel aus der Gegenwart die so-genannte Länge Christi. Gegen die Gebete, die auf diesem Papier-streifen stehen, kann kein Theologe etwas einwenden; insofern aberan sie bestimmte unfehlbar eintreffende Wirkungen geknüpft sindund dadurch, daß der Streifen vorgibt, die echte Länge Christi zusein, und auf Grund dieses Umstandes die Wirkung erhöht werdensoll( weil die Länge des Streifens auf Grund des Gesetzes vomBildzauber mit der abgemessenen Person in sympathetischer Ver-bindung steht) handelt es sich um echte Magie. Daß eine solcheVorstellung auch vor der Person Christi nicht halt macht, von derder volksfromme Christ doch weiß, daß es sich nach dem Kate-chismus dabei um die zweite Göttliche Person handelt, ist bezeich-nend. Und zwar deswegen, weil wir es keinesfalls als ein Zeichender Respektlosigkeit, sondern lediglich als ein typisches Merkmalfür das Fehlen logischer Überlegungen, sobald lebhafte Wünschewach werden, zu bewerten haben- aber auch als ein Zeugnis fürdie tiefe Verwurzelung des magischen Momentes in der Natur desVolksmenschen. In diesen Bereich zählen unter anderem auchdie Autoplaketten mit dem Bilde des Hl. Christophorus, die viele
པཱ ཎྜས ཏཱས ནཾ
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