Jahrgang 
50 (1947) / N.S. 1
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schuhmacher- Grabstein in Reims ist erst durch die volkskundlicheTrachtenforschung erklärt worden und die einleuchtendste Deutungdes ,, Judenburger Opferwagens" ist immer noch Gesemanns volks-kundliche Erklärung als Regenzauber bei einer kultischen Erdmutter-Umfahrt.

Auch die von M. Haberlandt noch nicht erwähnten völker-,massen- und gruppenpsychologischen Erkenntnisse der Sozio-logie verlangen heute von uns stärkste Beachtung. Die von derSchwietering- Schule erarbeiteten Methoden einer Gemeinschafts-Volkskunde werden gerade bei uns im Hinblick auf die eingangserwähnten, stark ausgeprägten Volksgruppen in Österreich vielmehr als bisher Anwendung finden müssen.

Als eine Hauptaufgabe des Vereines für österreichische Volks-kunde hat Haberlandt die Sammlung ,, für ein künftiges österrei-chisches Völkermuseum betont. Diese Aufgabe ist weitgehendgelöst, wie uns heute ja auch schon eine Reihe volkskundlicherMuseen in Österreichs Ländern ein sehr bedeutendes Material zurwissenschaftlichen Auswertung bereit hält. Auch darin sind wirweiter als vor fünfzig Jahren, wie wir ja auch über mehr andereswissenschaftliches Rüstzeug( Institute, Bibliographien, Handbücher)verfügen dürfen. Doch sind wir dadurch der alten Aufgaben keines-wegs enthoben. Die Sammlungen und sonstigen Einrichtungenmüssen fortgesetzt werden, ja manches, was damals begonnen unddurch einige Jahre fortgesetzt, dann aber stecken geblieben war,müssen wir aufs Neue in Gang bringen.

Dazu gehört die von M. Haberlandt vorgeschlagene volks-kundliche Chronik aus Österreich", d. h. die Wiederauf-nahme eines Nachrichtendienstes über alle für die Volksforschungwichtigen Begebenheiten, wie über Aufführungen von Volksschau-spielen oder Begehung von Bräuchen( z. B. Berchtenlaufen, Fasching-rennen, Pflugziehen, Schwert-, Reif- und anderer Tänze) und überdie vielen sonst bemerkenswerten Vorkommnisse im Volksleben,an denen Österreich gottlob immer noch nicht arm ist. Auch allevolkskundlichen Ausstellungen, Tagungen und Volksfeste in Österreich und seinen Nachbargebieten müßten in diese Chronik aufge-nommen werden.

Eine eigene österreichische volkskundliche Biblio-graphie hatte sich für die Jahre 1917 bis 1934 erübrigt, weil inder vom Verband deutscher Vereine für Volkskunde herausgege--benen volkskundlichen Bibliographie Österreich sorgfältig ver-

treten war.

Zu alledem käme noch eine planmäßige, gewiß auf Jahrzehntehinaus fortzusetzende Aufnahme der unendlich reichen, bisher nursehr teilweise gehobenen Schätze in allen österreichischen Archi-

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