Jahrgang 
50 (1947) / N.S. 1
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kulturen nicht zu den fremden zählen, sondern daß wir siewieder ohne jeden politischen Nebengedanken als Blutsbrüderbehandeln werden. Sie sind volkskundlich von uns nicht zu trennen.Geographisch hat sich also unser Aufgabenbereich seit 1895verkleinert. Um so intensiver wird er mit dem seither dochstark ausgebauten Apparat der modernen wissenschaftlichen Volks-kunde, mit ihren seit einem halben Jahrhundert sehr vermehrtenErkenntnissen und mit den bedeutend verfeinerten Methoden be-treut werden müssen. Wir sind auf allen Gebieten unserer Wissen-schaft, in der Stammes- und Siedlungskunde, in der Haus- und Ge-räteforschung, in der Trachtenkunde und in den Arbeiten überVolkskunst, Volksglauben und Brauch, Volksrecht, Volkslied, Volks-schauspiel und Volkstanz dank der eifrigen Tätigkeit unserer Vor-fahren und unserer Zeitgenossen gewaltig vorangekommen. Abergerade dadurch ist uns eine Fülle neuer Ein- und Ausblicke undneuer Probleme aufgegeben. Hier gibt's kein Zurück, aber auch keinHalt, hier gibt's nur ein Vorwärts!

Wir Österreicher haben da eine doppelte Verpflichtung. Nichtnur auf Grund der eingangs angeführten Tatsachen, sondern auchaus einer gewichtigen Tradition. In Österreich sind schon in denJahren 1805 bis 1810 die ersten volkskundlichen Fragebogen aus-gearbeitet und seit 1810 durch vierzig Jahre ausgesendet worden.Erzherzog Johann hat sich persönlich mit den namhaftesten Ge-lehrten Mitteleuropas dieser Ausarbeitung unterzogen und die Aus-sendungen mit zähem Eifer durchgeführt³). In seinem Kreise tauchtunter den Antworten auf jene Fragebogen 1812 zum ersten Maleim heutigen Wortsinne auch das Wort Volkskunde auf¹). Wich-tiger ist es, daß sowohl die Fragebogen, wie auch die einlangendenAntworten³) bereits alle Gebiete umfassen, die wir heute nochzum Arbeitsbereich der Volkskunde zählen. Es ist noch immerrecht wenig bekannt, daß die bahnbrechenden volkskundlichen Lei-stungen des steirischen Prinzen über Johannes von Müllerund über den Freiherrn von Haxthausen auch die Verbindungmit den Brüdern Grimm und später, durch den Erzherzogpersönlich auch die mit Ernst Moritz Arndt und mit Karl Wein-hold herstellten. Man kann also, selbst wenn man sehr bescheidenist, wohl sagen, daß die Entfaltung der Volkskunde als Wesens-schau im Geiste der Romantik hier in Österreich eine sehr früheund sehr starke Wurzel hatte. Daß diese Wurzel noch weiter, näm-lich in die josephinische Zeit zurückreicht, hat vor allem LeopoldSchmidt überzeugend dargelegt). Gerade an die, cameralisti-schen Statistiker aus jener Zeit hat sich ja auch Erzherzog Johannzuerst gewendet, wie auch sie selber, soweit sie noch lebten, sichalle um den Erzherzog geschart und ihm ihre Bücher gewidmet

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