Heft 
128 (2025) 2
Einzelbild herunterladen
 
  

Berichte und Besprechungen125Netzwerke und Kooperationen denkbar wären über Differenzenhinweg, aber auch, indem dezidiert mit und entlang von Differenzengearbeitet wird. Lokale Sensibilitäten und eine Vielgestaltigkeit derPraxis standen demnach im Mittelpunkt. Innerhalb Europas existie-ren unterschiedliche Ansätze für die Anwendbarkeit der Anthropo-logie und für die lebensweltliche Verortung von Kulturanalyse. DieFishbowl setzte sich daher zum Ziel, Praktiker:innen der angewand-ten Anthropologie zusammenzubringen, um Ideen und Gemeinsam-keiten, aber auch Unterschiede zu den hegemonialen anglophonenStrömungen der angewandten Anthropologie zu debattieren.Die Diskussion kreiste um folgende Leitfragen: Was teilen wirund was unterscheidet sich in unserer Arbeit? Gibt es eine spezifischeuropäische Perspektive auf angewandte Kulturanalyse? Wie beein-flussen die strukturellen Bedingungen der europäischen Academia diePraxis und die Zielsetzungen angewandter Anthropologie? Inwieweitlassen sich unterschiedliche disziplinäre Traditionen und lokale Kon-texte zu einer gemeinsamen, kollaborativen Praxis zusammenführen?Judith Albrechts(Humboldt-Universität zu Berlin) Beitrageröffnete die Fishbowl. Sie schilderte die Herausforderungen undGrenzen kollaborativer Forschung anhand ihrer Forschung im Kon-text von Migration und Flucht. Dabei stellte sie zur Diskussion,inwiefern die Bedürfnisse und Erwartungen von Geflüchteten/For -schungspartner:innen im Forschungsprozess angemessen berücksich-tigt werden können, und plädierte für eine epistemologische Öffnunghin zuBegegnung als zentralem Konzept. Anhand des interdiszip-linären MedienprojektsEncounter/Begegnungerklärte sie, wie anth-ropologische Forschung multiperspektivisch, multimodal, mehr-sprachig und reflexiv gestaltet werden kann. Sie argumentierte, dassangewandte Anthropologie über klassische Forschungskooperationenhinausgehe und vielfältige Formen solidarischer Wissensproduktionund-vermittlung ermöglichen sollte.Am Beispiel der im Jahr 2015 stattgefundenen TagungChan-ging Worlds. Engaging Science and Technology in Art, Academia and Acti-vismin Wien betonteAngela Prendl(kontexte.-Netzwerk, Wien) dieWichtigkeit der Gestaltung inklusiver, barrierearmer und kommu-nikationsfreundlicher Tagungsformate, die einen multiperspektivi-schen Wissensaustausch unter Teilnehmenden mit unterschiedlichen(akademischen, künstlerischen, aktivistischen) Wissenshintergründen