Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde128 (2025) / N.S. 792 (2025)Becker, Alina Franziska; Schwab, Christiane: Erprobung, Vision, Prozess oder Zwang?

  
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Erprobung, Vision, Prozess oder Zwang? : Zukunftsaushandlungen im Rahmen urbaner Straßenexperimente
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24ÖZV, LXXIX/128, 2025, Heft 2funktionierendem ÖPNV, mit anderen Leihmobilitätskonzepten[...]und dieser Platz, der dann zur Verfügung steht, für mehr gemein-schaftliches Leben.53Eine Anwohnerin der Kolumbusstraße ergänztdie Vision von Gemeinschaft und Teilhabe mit dem Aspekt der gegen-seitigen Fürsorge, den sie vom privaten auf den öffentlichen Straßen -raum ausgedehnt sehen will.54Die von ihr beschriebene Imaginationumfasst neben einer alternativen Straßenraumgestaltung mit neuenMöglichkeiten der Vergemeinschaftung und einem Mehr an Begrü-nung auch ein emotional aufgeladenes Bild von einem harmonischen,nachbarschaftlichen Miteinander im Straßenraum:Was ich gut fände: Wenn die Gehsteige nicht mehr direktan den Hauswänden, sondern wenn[dort] direkt die Grün-flächen wären[...] wie so ein Vorgarten und dort auch Hoch -beete. Etwas, was zur Fürsorge einlädt, also sich zu küm-mern, um diesen Bereich, an dem man lebt, wo man draußenist, sein Hochbeet gießt und einen Apfelbaum vor der Türstehen hat, von dem man die Äpfel erntet.[...] Das gehörtzum Haus und dadurch hat es auch was Privates, also dieserGrünstreifen, wo ich mir gut vorstellen kann, dass die Leute,die da wohnen, wenn da eine Bank ist oder sogar ein Tisch,dass die sich raussetzen und miteinander zu Abend essen.[...]Und was ich sehr schön finde an diesen Hochbeeten, ist dieserCare-Gedanke, dass ich mich für die Umgebung, in der ichwohne, dass ich mich dafür einsetze, dass ich diese Bäumegieße, die vor meinem Haus wachsen, weil es ein bisschenmeine Bäume sind.55Auch wenn die Mehrheit der erhobenen Zukunftsvisionen vornehm-lich auf kleinteilige Veränderungen abzielt, die vor dem kollektivenErfahrungshorizont als plausibel erscheinen, lassen sich im Mate-rial auch Bezüge zu alternativen Gesellschaftsmodellen und stärkerreformorientierten stadtplanerischen Konzepten identifizieren, die53Ebd.54Sarah Schilliger bezieht in ihrem Artikel den Care-Gedanken ebenfalls aufden öffentlichen Raum: Sarah Schilliger: Städtische Care-Infrastrukturenzwischen Küche, Kinderspielplatz und Kita. In: Sub\urban. Zeitschriftfür kritische Stadtforschung 10(2/3), 2022, S. 171–183.55Alina Franziska Becker: Interview mit Karina Marquardt, 2023.