Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Brunn, Katja: Von Linz nach Wien und in die große weite Welt. Hertha Reisinger und die Prinzess-Keramik

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Von Linz nach Wien und in die große weite Welt. Hertha Reisinger und die Prinzess-Keramik : eine Objektrecherche
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Katja Brunn, Von Linz nach Wien und in die große weite Welt271der Hardtgasse, Hausnummer 32, Weinzinger schräg gegenüber inder Hardtgasse, Hausnummer 27.28Spätestens in Wien arbeiteten siezusammen und entwickelten für die Prinzess-Keramik ein Firmen-logo ein verschlungenes R(Reisinger) und P(Prinzess) mit einemkleinen W(Weinzinger), oft als Krönchen missverstanden(Abb. 3).Für die ersten keramischen Objekte, die unter dem NamenPrinzess-Keramikvermarktet wurden, griff Reisinger auf Entwürfezurück, die sie bereits in Linz entwickelt hatte und die teilweise inden zuvor erwähnten Ausstellungen zu sehen waren.29Sie schuf dabeinicht nur Figuren im Märchenstil und kleine Tierkeramiken, son-dern auch Gebrauchskeramiken und Figuren, die das bäuerliche undländliche Leben idealisierend darstellten. Viele ihrer Figuren ent-sprachen einer idealisierten, ideologisch grundierten Ästhetik unddem nationalsozialistischen Menschenbild: blonde Frauen mit hoch-gesteckten Haaren(ÖMV/83.132)30und in bodenlangem Dirndl beiTätigkeiten, die ein idyllisiertes und stark typisiertes Landleben zei-gen(ÖMV/83.168,Abb. 4). Zu sehen sind auch Männer mit Bauch-laden, Männer auf dem Markt und Paare in als typisch festgelegterLandestracht(ÖMV/83.133). Mit ihren Entwürfen folgte Reisin-ger den Anforderungen und Vorgaben des Marktes, denn nach demZweiten Weltkrieg war die Nachfrage nach diesen Motiven unge-brochen groß. Tendenzen dazu hatten sich bereits zu Beginn des20. Jahrhunderts entwickelt, als nach deutschem Vorbild die Heimat-schutzbewegung auch in der österreichisch-ungarischen Monarchieimmer mehr Anhänger*innen fand. Auf der Suche nach identitäts-stiftenden Ästhetiken wurden Heimatbilder und Symbole konstru-iert, die in die Gestaltungen des Alltags eingriffen und die Definitiondes BegriffsHeimatjahrzehntelang prägten.31In vielen Betrieben der28Dies ergeht aus der Gewerbeberechtigung aus dem Jahr 1947, siehe:Österreichisches Zentralgewerberegister.29Entwurfsskizzen und Fotografien nahezu aller Entwürfe befinden sich imPrivatbesitz der Familie.30Die Inventarnummern des Volkskundemuseums Wien bestehen aus biszu drei Teilen, die durch einen Schrägstrich getrennt sind. Die Objekteder Prinzess-Keramik sind Teil des Hauptnummernkreises ÖMV undin der Datenbank mit den Nummern 83.123 bis 83.171, 83.188 und 85.623gekennzeichnet.31Reinhard Johler, Herbert Nikitsch, Bernhard Tschofen: Schönes Öster-reich. Zur Ausstellung. In: Österreichisches Museum für Volkskunde: