Katja Brunn, Von Linz nach Wien und in die große weite Welt263besuchte von 1922 bis 1930 die städtische Mädchenmittelschule inLinz(Lyzeum) und legte im Jahr 1930 ihre Reifeprüfung ab.8Sehrlückenhaft und weitgehend ungeklärt ist Reisingers Biografie in denJahren 1930 bis 1947, dem Gründungsjahr der Prinzess-Keramik.Ob und wo Reisinger eine keramische Ausbildung gemacht habenkönnte, ist nach heutigem Forschungsstand nicht nachvollziehbar.Dass Reisinger die von 1933 bis 1982 tätige Linzer Keramik unterKarl Czap und Rupert Aichmeir9kannte, ist durchaus naheliegend.Ihre keramischen Entwürfe, die aus den späten 1930er Jahren im Pri-vatbesitz der Familie erhalten geblieben sind, haben mitunter Ähn-lichkeiten mit jenen der sogenannten Linzer Keramik. Hier findetsich beispielsweise eine Maske in Form eines stilisierten Frauen-kopfes, die von Reisinger 1939 gefertigt wurde.10Ab 1940 arbeiteteReisinger für dieReichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten Her-mann Göringin Linz und stand somit im Dienst eines von Natio-nalsozialisten errichteten Betriebes. Dieser ermöglichte ihr im April1943, ihre Keramiken bei der Ausstellung Laienschaffen im LinzerLandhaus zu präsentieren.11Die Oberdonau-Zeitung berichtetedamals über die Ausstellung und schrieb, dass diese als Schau von„schöpferische[n] Arbeiten der Schaffenden aus den Betrieben[derReichswerke AG]“ konzipiert wurde. Die Keramiken von HerthaReisinger wurden in dem Beitrag wie folgt erwähnt:„Eine Vitrineenthält die als kleine Kunstwerke ebenfalls weit über die Stufe desnoch nicht eingesehen werden konnte. Anna Reisingers keramischeTätigkeit wird unter anderem hier erwähnt, siehe: Linzer Volksblatt:Die Welser Ausstellung. 1.(71.) Jg., Nr. 4, Linz 16. Oktober 1945, https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=lvb&datum=19451016&sei -te=3&zoom=33&query=%22linzer%22%2B%22volksblatt%22%2B%2216.oktober%22%2B%221945%22&ref=anno-search(Zugriff: 25.7.2022).8Im Privatbesitz der Familie ist ein handgeschriebener Brief von HerthaReisinger an die Direktion der städtischen Mädchenschule Linz mit Bitteum die Zulassung zur Reifeprüfung erhalten geblieben.9Johanna und Hans Hagen Hottenroth: Linzer Keramik 1933–1982.Scheibbs 2001.10Gekennzeichnet ist die Maske mit„HR, 1939“. Der Entwurf hat Ähnlich-keiten mit denen von Czap, siehe: Hottenroth 2001.11Weitere Recherchen zu Hertha Reisingers Tätigkeit und Aufgabe inner-halb der Hermann-Göring-Werke wären von großer Wichtigkeit. Fotosim Privatbesitz der Familie zeigen Reisinger an ihrem Arbeitsplatz(Kennzeichnung„3.8.1942 Reichswerke Linz“ oder„Büro der Reichs-werke Hermann Göring, Linz 1940“).
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Brunn, Katja: Von Linz nach Wien und in die große weite Welt. Hertha Reisinger und die Prinzess-Keramik
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Brunn, Katja: Von Linz nach Wien und in die große weite Welt. Hertha Reisinger und die Prinzess-Keramik
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Von Linz nach Wien und in die große weite Welt. Hertha Reisinger und die Prinzess-Keramik : eine Objektrecherche
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