Aufsatz in einer Zeitschrift 
Die Arbeit an der Autonomie : ökonomische Praktiken der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Familienbetriebe in Oberösterreich
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238ÖZV, LXXVIII/127, 2024, Heft 2auch die Kinder mitarbeiten. Arbeitsbeziehung und räumliche Nähekonstituieren eine Mehrgenerationen-Familie, die zugleich einenRahmen für das wirtschaftliche Handeln vorgibt.Dieser bäuerliche Familienbetrieb, der sich aus einem nachLebenszyklen unterschiedlichen Verhältnis von Arbeitskräften undKonsument:innen zusammensetzt, ist anders als oft dargestellt einrezentes Phänomen. Er geht auf einen Prozess derFamiliarisierungnach dem Zweiten Weltkrieg zurück, als im Zuge von Motorisierungund Wirtschaftsaufschwung das sogenannte Gesinde in die Städteabwanderte und der Betrieb mit familieneigenen Arbeitskräften aus-kam.33Zum anderen ist für die Untersuchungsregion festzuhalten,dass die Vorstellung eines dynastischen Familienbetriebs mit langerErbfolge am selben Hof kaum zutreffend ist. Ein Blick in die Hof -chroniken und in ergänzende Literatur zeigt, dass die Hofgeschichtenbis ins 20. Jahrhundert von häufigem Besitzwechsel durch Kauf sowieVererbung außerhalb der Abstammungslinie gekennzeichnet sind.Dies ist nicht zuletzt auf die regionale Ehe- und Erbpraxis zurückzu -führen: Der Besitz ist zumeist unter den Eheleuten geteilt und kannetwa durch Wiederheirat horizontal transferiert werden.34Die Ver-zahnung von Familie und Hof über mehrere Generationen wird erstim 20.Jahrhundert zur Regel und besonders ab der Zwischenkriegs-zeit zum politisch geförderten Ideal, bisweilen zurErbhofideologie.35Familienangehörige werden durch die Anforderungen derDirektvermarktung im Vergleich zu anderen Modellen36stark inAnspruch genommen. Die Repräsentation des Betriebs stimmtaber kaum mit den tatsächlichen Arbeitsverhältnissen überein. Die33Vgl. Gunter Mahlerwein(s. Anm. 24), S. 124 f.34Zur egalitären Praxis der geteilten Besitzrechte, die anders als etwain Tirol in Ober- und Niederösterreich historisch vorherrschte, siehe­Margareth Lanzinger, Matthias Donabaum: Bäuerinnen und Bauern.In: Tobias E. Hämmerle, Josef Löffler, Elisabeth Rosner, u. a.(Hg.):Niederösterreich im 18. Jahrhundert. St. Pölten 2024, im Erscheinen.35Eine ‚Erbhofideologie lässt sich in der Verengung auf diese Erbpraxisim Zuge der Kodifizierung im 19. Jahrhundert feststellen und gipfelt inder NS-Zeit: Deklarierte Erbhöfe durften nicht mehr verkauft, geteiltoder mit Hypotheken belastet werden. Vgl. Margareth Lanzinger: Dasgesicherte Erbe: Heirat in lokalen und familialen Kontexten: Innichen,1700–1900. Wien 2003, S.154; Gunter Mahlerwein(s. Anm. 24), S. 40 f.36Siehe Anm. 32.