Aufsatz in einer Zeitschrift 
Die Arbeit an der Autonomie : ökonomische Praktiken der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Familienbetriebe in Oberösterreich
Einzelbild herunterladen
 

Thassilo Hazod, Die Arbeit an der Autonomie237zeigt sich darin eine Gegenbewegung: Waren in den Höfen durchMotorisierung, Spezialisierung und Auszug des Gesindes Räume fürFamilie und Haushalt frei geworden, werden diese nun durch Erfor-dernisse der Direktvermarktung wieder vom Betrieb beansprucht.Die effiziente Ressourcennutzung und selbst gestalteteMarktbeziehungen im Sinne erweiterter Autonomie und Stabilitätdes Betriebs sind mit van der Ploeg Merkmale einerrepeasantization31.Gemeint ist damit eine Neubewertung und Aufwertung derpeasanteconomy, der Rückgriff auf bewährte bäuerliche Strategien, die fürheutige Bedürfnisse nutzbar gemacht werden.Autonomie ist nicht nur auf der Ebene eines familienbetrieb-lichen Agrarsystems von Bedeutung, sondern auch als persönlicherWert alltäglichen Arbeitens: Man ist sein eigener Chef bzw. seineeigene Chefin und lässt sich(im eigenen Verantwortungsbereich)ungern dreinreden. Auf vielen Höfen ist es üblich, dass sich die Ehe-partner:innen als Chef:in ansprechen. Bei meinen Aufenthalten beiFamilie Huemer wurden sowohl Birgit und Richard als auch RichardsEltern als Chef bzw. Chefin bezeichnet, je nachdem, wer über wenspricht. Alle vier werden als Chef:in tituliert.Gute und entgrenzte ArbeitDie Schattenseite der durch Direktvermarktung ermöglichten Wert-schöpfung und Autonomie ist eine hohe Arbeitsbelastung und-ent-grenzung. Dabei wird versucht, den Arbeitsaufwand durch kostenlosefamilieneigene Arbeitskräfte zu decken bis zur Belastungsgrenze.Diese Verbindung von Familie und Betrieb ist ein Merkmal bäuer-licher Landwirtschaft, dem unter den Anforderungen der Direktver-marktung wieder besondere Bedeutung zukommt. Der hohe Arbeits-bedarf macht es im Vergleich zu anderen Organisationsformen in derLandwirtschaft32notwendig, dass die ältere Generation und zum Teil31Jan Douwe van der Ploeg: The peasantries of the twenty-first century:the commoditisation debate revisited. In: The Journal of Peasant Studies37, 2010, S.1–30.32Die Tendenz zum Nebenerwerbsbetrieb hält weiterhin an. Spezialisiertetechnisierte Betriebe werden mitunter auch von einer Person geführt,während der:die Partner:in einer Erwerbsarbeit nachgeht, was in denStatistiken dennoch als Familienbetrieb gilt.