Thassilo Hazod, Die Arbeit an der Autonomie229Kindern, teils auch mit Großeltern. Familie ist aber keine Vorausset-zung, um Landwirtschaft zu betreiben. Andere mögliche Formen wer-den nicht nur diskursiv marginalisiert, sondern fallen auch rechtlichaus der Norm und sind mit erheblichem Aufwand verbunden. Dassetwa Hofübergaben fast ausschließlich an nahe Verwandte erfolgen,erklärt sich nicht nur aus Tradition, sozialem Druck und der gesetz-lichen Erbfolge. Das Modell wird staatlich durch Steuervergünstigun-gen und geringere Gebühren bei innerfamiliärem Transfer gefördert.8Kontexte landwirtschaftlicher DirektvermarktungTrotz der rechtlich günstigen Bedingungen ist es heute nicht selbst-verständlich, dass ein Hof intergenerationell übernommen undweiter bewirtschaftet wird. Individualisierte Bildungswege unddiversifizierte Berufschancen führten auch in der Landwirtschaft zuselbstreflexiven Lebensverläufen.9Das bedeutet, dass die Entschei-dung, Landwirt:in zu werden, auch hinsichtlich aktueller gesellschaft-licher Vorstellungen eines guten Lebens(am Land)10zu befragenist. Landwirtschaft mag nicht der Weg zu einem möglichst hohenLebensstandard sein, kann aber Bedürfnisse wie Balance von Fami-lie und Beruf, ein Leben in der Natur oder Arbeiten ohne Chef:inbefriedigen. Quantitativ gesehen verzeichnen die vergangenen Jahr-zehnte jedoch eine Abwanderung aus dem agrarischen Sektor. Die-ser als Strukturwandel bezeichnete Prozess(beschleunigt ab den1950er Jahren) ging mit der Industrialisierung, Spezialisierung und8Außerfamiliäre Übergaben sind in Österreich eine Randerscheinung undwerden mit einem Anteil von 1,3% geschätzt. Vgl. Erika Quendler, Mar -tin Brückler, Thomas Resl: Außerfamiliäre Hofübergabe in Österreich.Bedarfsstudie für eine Informations- und Bildungsoffensive basierend aufösterreichweiten Befragungen von LandwirtInnen. Wien 2015, S.9 u. 14.9Vgl. Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andereModerne. Frankfurt a.M. 1986, S.122 u. 216.10Ich verwende den Begriff hier als analytische, etische Kategorie. Gemeintsind Ansprüche auf ein gelingendes Leben, die über das schiere Aus-kommen hinausgehen. Werte und Deutungen, die diesen Ansprüchenzugrunde liegen, sind historisch kontingent. Zu einer kulturwissenschaft-lichen Auseinandersetzung mit dem Topos des guten Lebens auf demLand und seinen Konjunkturen, siehe Werner Nell, Marc Weiland: GutesLeben auf dem Land? Imaginationen und Projektionen vom 18. Jahrhun-dert bis zur Gegenwart. Bielefeld 2021.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Hazod, Thassilo: Die Arbeit an der Autonomie
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Die Arbeit an der Autonomie : ökonomische Praktiken der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Familienbetriebe in Oberösterreich
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