228ÖZV, LXXVIII/127, 2024, Heft 2andere versorgen, wie dieses Handeln sozial verankert, politisch undrechtlich gerahmt sowie mit moralischen Vorstellungen verbunden istund welche sozialen Implikationen dieses Handeln hat.Eine solche Rahmung stellt auch der landwirtschaftlicheFamilienbetrieb dar. Dieser wird meist dadurch charakterisiert,dass(nicht näher definierte) Familienmitglieder die meisten dererforderlichen Ressourcen(Land, Gebäude, Tiere, Maschinen,Wissen, Netzwerke usw.) kontrollieren und die meiste, wenn nichtdie gesamte, Arbeit leisten.6Dies trifft im Wesentlichen auch aufmeine Beispiele zu(s. u.).Als spezifisches Besitzverhältnis undals Arbeitszusammenhang strukturiert der Familienbetrieb wirt-schaftliche Praxis. Er bietet aber gerade durch seine enge Verknüp -fung von Haushalt und Betrieb spezifische Handlungsräume dafür,betriebliche und familiäre Bedürfnisse oder Erfordernisse auszu-tarieren und neu zu arrangieren, wie in der Direktvermarktung.Der Begriff meint jedoch nicht nur die ökonomische Praxis im Kon -text sozialer Beziehungen. Familie ist ein moralisch aufgeladenerBegriff, der im Lebensmittelhandel als Label omnipräsent ist. Er wirdals symbolisches Kapital in Wert gesetzt und findet sich in Selbstreprä -sentationen am Bauernmarkt ebenso wie auf Verpackungen industriellerzeugter Waren. Um das Bedürfnis nach„food from somewhere“7zustillen und Lebensmittel für entfremdete Konsument:innen regionalund sozial zu verorten, bedienen sich Marketingstrategien von Han-delsunternehmen ideologischer Vorstellungen traditionell geführterLandwirtschaft in Familienhand. Denn Familie scheint Vertrauen zuschaffen und suggeriert Authentizität und Nachhaltigkeit im Sinneeines Denkens in Generationen. Eine Welt, die aus den Fugen zugeraten scheint, ist im bäuerlichen Familienbetrieb noch in Ordnung.Für diese Ordnung steht die im agrarischen Kontext wirkmächtigeheteronormative Vorstellung von Familie: Als Betriebsfamilie präsen-tiert sich vorwiegend ein heterosexuelles Paar, meist mit mehreren6Siehe etwa die Definition der FAO(Food and Agricultural Associationder UNO), o. A.: United Nations Decade of Family Farming 2019–2018.Global Action Plan. Rom 2019, S.9.7Hugh Campbell: Breaking new ground in food regime theory. Corporateenvironmentalism, ecological feedbacks and the‘food from somewhere’regime? In: Agriculture and Human Values 26, 2009, S.309–319.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Hazod, Thassilo: Die Arbeit an der Autonomie
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Die Arbeit an der Autonomie : ökonomische Praktiken der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Familienbetriebe in Oberösterreich
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