224ÖZV, LXXVIII/127, 2024, Heft 2Mastschweinen und Ferkeln durch die Pension der Großmutter, dasEinkommen von Sarahs Mutter als Supermarktkassiererin und dasEinkommen des jungen Paares: Sarah war Kindergärtnerin, MichaelDachdecker. Nach der Pensionierung der Eltern und dem Tod derGroßmutter war der Betrieb kaum überlebensfähig.Sarah beschloss, die Sache in die Hand zu nehmen, undbegann damit, zwei Mal in der Woche nach Linz auf den Marktzu fahren. Die Entscheidung fällte sie gegen den Widerstand ihresMannes und ihres Vaters. Beide konnte sie erst durch den finanzi -ellen Mehrwert der Direktvermarktung überzeugen: Der Betriebkonnte nun im Vollerwerb geführt werden. Der Verkauf vonSchweinen an den Handel wurde fortgeführt, aber reduziert. EinTeil wird nun bei einem befreundeten Fleischer geschlachtet, internverarbeitet und am Markt verkauft. Wie zu Zeiten von SarahsGroßeltern gibt es wieder eine Vielfalt an Tieren am Hof: nebenden Schweinen Hühner, Honigbienen und neuerdings Alpakas.Wichtigste Mitarbeiterin am Markt ist Sarahs nebenan wohn-hafte Schwester. Auch ein Pensionist aus dem Dorf bietet sichals Arbeitskraft an, um im Morgengrauen in die Stadt zu fah-ren und Selbstgemachtes feilzubieten: Speck, Braten und Würs-tel, Brot, Kuchen, Eier, Kartoffeln, Most, Schnaps, Gestecke undvieles mehr. Michael bleibt zuhause, er ist für die Feld- und Stall-arbeit, aber auch die Fleischverarbeitung und Haushaltstätigkeitenzuständig. Der Vater hat weiterhin bei der Schweinemast das Sagen.Sarah konnte durch die Umstellung auf Direktvermarktung denbelastenden Job als Kindergärtnerin aufgeben(sie hat selbst sechsKinder) und für Michael fielen die Strapazen der Doppelbelastungals Dachdecker und Landwirt weg. Sarah betont, dass sie damit denZwängen des„Wachstumsmodells“ entkommen wollte: Bäuer:innenin ihrer Umgebung würden Kredite aufnehmen, um zu expandieren,und kämen dennoch nicht zurecht.2Bei Michaels Eltern ging es soweit, dass sie ihre Gründe verkaufen mussten, sein Vater nahm sichdaraufhin das Leben.Etwa 15 Kilometer östlich, nahe der Westautobahn, habenMaria und Jakob Pointner, beide Mitte 30, vor einigen Jahren denHof von Marias Großeltern übernommen. Eine Generation wurde2Gespräch mit Sarah Gschwandner, 24.4.2023.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Hazod, Thassilo: Die Arbeit an der Autonomie
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Hazod, Thassilo: Die Arbeit an der Autonomie
Aufsatz in einer Zeitschrift
Die Arbeit an der Autonomie : ökonomische Praktiken der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Familienbetriebe in Oberösterreich
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