Aufsatz in einer Zeitschrift 
Olaf Bockhorn: Volkskunde als Berufung : 19. Februar 1942 – 16. Oktober 2023
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Bernhard Fuchs, Olaf Bockhorn: Volkskunde als Berufung93Zur Thematik Streitigkeiten und Kontroversen möchte ichneben der fachhistorisch und demokratiepolitisch bedeutsamen undverdienstvollen Kritik der Nazi-Wissenschaft auch eine wenigerbedeutsame Auseinandersetzung mit Studierenden erwähnen undeine unglückliche und im Grunde verzichtbare Debatte überDis-kursanalyse andeuten.Engagierte, gesellschaftsrelevante WissenschaftBei ersterer Konfrontation handelt es sich um studentische Tagun-gen Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre.15Teilnehmer einesgesamtösterreichischen Volkskundestudententreffens kritisierten indenGrazer Protokollen, die Theoriediskussion der 1970er sei in Öster-reichbewusst ignoriert worden,seit langem geforderte AnsätzeseienEnde der 1980er Jahre noch immer nicht verwirklicht. Zuerstreagierte am 19. November 1987 Olaf Bockhorn in einem offenenBrief, der als Aushang am Institut veröffentlicht wurde, der seinerKränkung deutlichen Ausdruck verlieh:Bums, da liegen sie auf derNase, die universitären Verhinderer einer kritischen Volkskunde,im munteren Rundumschlag von den Kathedern gefegt.16An dieserDebatte beteiligten sich ausschließlich Vertreter des Mittelbaus derVolkskundeinstitute in Österreich, obwohl eigentlich die Ordinariateangesprochen waren. Es ist nachvollziehbar, wie verletzend es seinmusste, mit einem derartigen Pauschalvorwurf konfrontiert zu wer-den, nachdem so viel Herzblut in die Reform des Faches geflossen warundFalkensteiner Resolution, FielhauersVolkskunde als demokratischeKulturgeschichtsschreibung und Hermann Bausingers Kritik an Kanonund Grundbegriffen zur Pflichtlektüre in Proseminaren gehörten. Indieser Debatte wählte Bockhorn eine poetisch-literarische Sprache,er zeigte sich verletzt und signalisierte zugleich Solidarität mit den15Studienrichtungsvertretung Volkskunde der Universität Wien(Hg.):Ohne Engagement Volkskunde zwischen Nein und Danke! 1. Studenti-sche Tagung am 19./20. November 1988 in Werfen/Salzburg-Land.Wien 1990; Christian Stadelmann, Edith Staufer-Wierl(Hg.): Die Volks-kunde als Wissenschaft? Zweite und letzte studentische kulturwissen-schaftliche Tagung vom 10.–12. Oktober 1990 in Wien. Wien 1992.16Anhang. In: Studienrichtungsvertretung Volkskunde(Hg.): Ohne­Engagement, S. 89 ff, hier S. 91.