Aufsatz in einer Zeitschrift 
Olaf Bockhorn: Volkskunde als Berufung : 19. Februar 1942 – 16. Oktober 2023
Einzelbild herunterladen
 
  

Bernhard Fuchs, Olaf Bockhorn: Volkskunde als Berufung89Burgenland: Untersuchungen zur bäuerlichen Kultur. 1997 wurde er zumaußerordentlichen Universitätsprofessor ernannt. Internationale Aner-kennung blieb nicht aus: So nahm er Gastprofessuren in Regensburg,Bamberg und Bayreuth wahr. 1994 richtete er die Tagung der SocietéInternationale d`Ethnologie et de Folklore(SIEF) in Wien aus.Die Kritik am Volksbegriff übertrug Olaf Bockhorn konse-quent auf die TerminiEthnos undEthnizität, die er alsunsym-pathische Begriffe verwarf, um sie durch neutralere Begriffe wieGruppe undBevölkerung zu ersetzen.10In Überlegungen zumManagement von Ethnizität befürchtete er Manipulationsversuche,als im Fach Ethnizitätstheorien angesichts des Zerfalls von Jugos-lawien und des Genozids in Ruanda Ende der 1990er Jahr inten-siv debattiert wurden. Dennoch arrangierte er sich mit der Fachbe-zeichnung Volkskunde, allerdings in einem erneuerten Verständnisals einer sozial engagierten, empirischen Kulturwissenschaft, einerdemokratischen Kulturgeschichtsschreibung im Sinn seines Leh-rers, Kollegen und Freundes Helmut Paul Fielhauer. Der in derFalkensteiner Resolution1970 vertretenen Auffassung, eine wesent-liche Aufgabe der Wissenschaft bestünde darin, zur Lösung sozio-kulturaler Probleme beizutragen, blieb er Zeit seines Lebens treu.Marion Näser-Lather und Timo Heimerdinger führten Elisabeth undOlaf Bockhorn 2019 als Exempel für den nachhaltigen Fortbestanddieses Paradigmas der 1970er Jahre an.11In seinem Wissenschaftsverständnis war Bockhorn ein his-torischer Denker, der kulturelle Phänomene stets auf der Grundlageakribischer Recherchen sozialhistorisch zu verorten wusste, wobeier insbesondere auf die Berücksichtigung ökonomischer Faktoren10Ein Begriff der mir unsympathisch ist Interview mit Olaf Bockhorn opvrijdag 24 april 1998 door Ton Dekker. In: Volkskunde, cultuurpolitieken etniciteit, Volkskundig Bulletin 24, 1998, 3, S.401–409; ElisabethBockhorn, Olaf Bockhorn: Wem nütztEthnizität? In: Ton Dekkeru.a.(Hg.): Roots and Rituals. The Construction of Ethnic Identities.Amsterdam 2000, S.3–10.11Timo Heimerdinger, Marion Näser-Lather: Einführung: Gute Themen,schlechte Themen. In: Dies.(Hg.): Wie kann man nur dazu forschen?Themenpolitik in der Europäischen Ethnologie. Wien 2019, S.11–28,hier S.19.Verwiesen wurde dabei auf eine 1998 in der ÖsterreichischenZeitschrift für Volkskunde ausgetragene Kontroverse über Diskursana-lyse(s.u.).