Bernhard Fuchs, Olaf Bockhorn: Volkskunde als Berufung87weitere Konfrontation münden: Bockhorn wies 1984 in einer schar-fen Rezension in der Österreichischen Zeitschrift für Volkskundedessen biologistische Deutungen des Matreier Klaubaufgehens alsunhaltbar zurück.7Schon als Student war Bockhorn seit 1970 als wissenschaftlicheHilfskraft am Institut für Volkskunde beschäftigt. Im Jahr 1971 pro-movierte er mit einer von Károly Gaál betreuten zweibändigen StudieüberFahrzeuge im Mühlviertel: Geräte- und Wirtschaftsformänderung.Anschließend trat er eine Assistentenstelle bei Wolfram an. Obwohlseine Dissertation gesellschaftliche Transformationen im Zuge derMechanisierung umfassend und gegenwartsorientiert analysiert,wurde die Publikation 1973 in den Geleitworten des SchriftleitersderBeiträge zur Landeskunde von Oberösterreichkulturpessimistisch imSinn einer konservativen Rettungsvolkskunde präsentiert. Jedenfallshatte Bockhorn tatsächlich den wahrscheinlich letzten historischenMoment genützt, um einen im Verschwinden begriffenen Gerätebe-stand in situ zu dokumentieren. Zusammen mit Károly Gaál führteOlaf Bockhorn in den 1970er Jahren dorfmonografische Studien imBurgenland mit wirtschaftshistorischer und gerätekundlicher Schwer-punktsetzung durch.Olaf Bockhorn vertrat in Forschung und Lehre eine Viel-zahl an Themen, die anfänglich eine Orientierung am volkskundli-chen Kanon erkennen ließen: Gerät, Brauch, Frömmigkeit. DiesenSchwerpunkten blieb er durchaus treu, hinzu kamen zunehmend wei-tere Felder wie Arbeit, Interethnik, Migration, Tourismus – generelleine deutliche Öffnung hin zu einer breiten Palette von alltagskul-turellen Problemen nicht nur in einer Ethnografie der Gegenwart,auch in einer auf archivalische Quellen gestützten Analyse histori-scher Lebenswelten. Als ein zentrales Thema kristallisierte sich dieFachgeschichte heraus. Nicht zuletzt gilt es, die konsequente Aus-einandersetzung mit wissenschaftlichen Repräsentationsformen und-medien, der Museologie und dem volkskundlichen Film sowie dem7Otto Koenig: Klaubauf – Krampus – Nikolaus. Maskenbrauch in Tirolund Salzburg. Wien 1988. Rezension von Olaf Bockhorn in: Österreichi-sche Zeitschrift für Volkskunde XXXVIII/87, 1984, S.77 f. Reaktionendes Angegriffenen sind mir nicht bekannt. Online sind die Koenig-Thesenheute sehr präsent, während sich die Bockhorn’sche Kritik nicht nieder-geschlagen hat.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Fuchs, Bernhard: Olaf Bockhorn: Volkskunde als Berufung
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Fuchs, Bernhard: Olaf Bockhorn: Volkskunde als Berufung
Aufsatz in einer Zeitschrift
Olaf Bockhorn: Volkskunde als Berufung : 19. Februar 1942 – 16. Oktober 2023
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