Stefanie Samida, Materialität und Digitalität77verschiedenen Feldern auszudrücken vermag – Felder, die nicht sta-tisch bzw. auf Dauer sind, sondern sich wandeln können, wegfallenoder durch neue ergänzt werden. Hierzu gehören Vorstellungen undKonzepte z.B. von Materialität/Immaterialität, Authentizität, Aura,Kommunikation, Partizipation, Raum, aber auch museale Hand-lungsroutinen wie z. B. Sammeln und Kuratieren.So bedeutet Digitalität nicht, dass das Materielle verschwin-det – das Digitale ist nie ohne das Analoge, das Immaterielle ist nieohne das Materielle denkbar. Digitalität heißt in diesem Zusammen-hang vielmehr, dass Materialität neu verhandelt und bewertet wirdsowie eine neue/andere Bedeutung bekommt. Es geht um das Bezie-hungsgefüge von Materialität und Digitalität, das das Museum als„Zeigeort der materiellen, der dreidimensionalen Kultur“14heraus-fordert und Fragen aufwirft: Welche Auswirkungen hat die Digitali-tät auf das museale Sammeln? Was heißt es, digital zu sammeln, zubewahren und auszustellen? Wie beeinflusst die digitale Repräsenta-tion von Museumsdingen die Art und Weise, wie wir diese wahrneh-men und deuten? Welche Rolle kommt also digitalisierten Objektenzu und welchen Effekt haben sie auf die materiellen Originale? DieseFragen sind, auch wenn sie mittlerweile häufiger gestellt werden, bisheute kaum einmal näher(empirisch) erforscht worden. GottfriedKorff hat in zahlreichen Arbeiten immer wieder hervorgehoben, dasses gerade die Materialität ist, die den Dingen Evidenz verleiht. Diedigitalisierten Abbilder, so darf man wohl aus dem Korff’schen Werkfolgern – ohne dass er das explizit so geschrieben hätte –, sind dazunicht imstande. Klar ist: Aus Dingen werden durch Digitalisierungentmaterialisierte Computerabbilder, und mit dieser Transformationgehen nicht nur sämtliche Materialeigenschaften verloren, sondern eskommt darüber hinaus gewissermaßen auch ihre Singularität abhan-den. Das ist natürlich nichts gänzlich Neues; heute materialisiert sichallerdings das Abbild nicht mehr zwingend in einem anderen Objekt(z. B. in einem Gemälde oder einer Papierfotografie), sondern ver-wandelt sich in eine aus Nullen und Einsen bestehende Kopie unddamit in eine unendlich vervielfältigbare Massenware. So besehen14Gottfried Korff: Zur Eigenart der Museumsdinge(1992). In: Ders.:Museumsdinge: deponieren – exponieren. Köln, Weimar, Wien 2002,S.140–144, hier S. 142.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Samida, Stefanie: Materialität und Digitalität
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Samida, Stefanie: Materialität und Digitalität
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Materialität und Digitalität : Addendum zur aktuellen musealen Debatte
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