64ÖZV, LXXVIII/127, 2024, Heft 1allein stemmen können: Unsererseits nachfragen, Informationen aus-tauschen zurpreventive conservation on a budgetund eine Plattformfür Materialien, Tausch- und Spendenbörse aufbauen. Ich denke hieran das Zitat von John Ruskin, englischer Philosoph, engagiert in derBewahrung von Kulturgut:„A little thought and a little kindness areoften worth more than a great deal of money“(1871).Gespräch mit Oleksandra Buzko(Archivleiterin und wissenschaftlicheMitarbeiterin am Institut für Archäologie derNationalen Akademie derWissenschaften der Ukraine)Wie hast du den russischen Angriff auf die Ukraine im Februar2022 erlebt und wie hat er eure Arbeit im Archiv beeinflusst?Im Februar, als die groß angelegte russische Invasion der Ukrainebegann, hatten wir enorme Angst und blieben zu Hause, um dieNachrichten zu verfolgen. Ich sagte meiner Mutter, dass wir nachtsabwechselnd schlafen würden, um die Nachrichten zu verfolgen, umnichts zu verpassen und den Moment zu fliehen nicht zu verschlafen.Zu dieser Zeit drohte ständig eine Invasion Kyjivs; es gab Kämpfe inden Außenbezirken der Stadt, in Buča, Irpin und Hostomel. Die Rus-sen planten, die Hauptstadt von Westen her zu umzingeln und einzu-nehmen. Später, gegen Ende März, als es unseren Truppen schließ-lich gelang, die russischen Soldaten aus Buča und Irpin zu vertreiben,erfuhren wir von dem Ausmaß der Verluste und der Zerstörung indiesen besetzten Städten.Mitte März boten die Verwandten meines Sohnes in Amerikaan, ihn dorthin zu bringen, und ich sagte zu. Aufgrund von Proble-men bei der Beschaffung eines amerikanischen Visums mussten wireine Weile in Prag bleiben. Während dieser Zeit überließ ich meinemKollegen, dem Archäologen Ivan Zocenko, der in Kyjiv geblieben war– in Obolon, demselben Viertel, in dem sich unser Archiv befindet –die Schlüssel zum Archiv. Ich wohne am linken Ufer des Dnipro undeine Zeit lang war es unmöglich, über die Brücke auf das rechte Uferzu gelangen. Ivan versammelte ein Team von Leuten, die am rechtenUfer wohnten, und sie versuchten zum Archiv zu kommen und digi-talisierten dort schnell Dokumente mit Dokumentenscannern, Kame-ras, Handys – was immer sie unmittelbar zur Hand hatten. Ich bin
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Rhode, Martin: Notfallsicherung kulturellen Erbes in Kyjiv, oder wie Kolleg*innen den ukrainischen Kulturschutz und Wissenschaftsbetrieb zu unterstützen versuchten.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Rhode, Martin: Notfallsicherung kulturellen Erbes in Kyjiv, oder wie Kolleg*innen den ukrainischen Kulturschutz und Wissenschaftsbetrieb zu unterstützen versuchten.
Aufsatz in einer Zeitschrift
Notfallsicherung kulturellen Erbes
in Kyjiv, oder wie Kolleg*innen
den ukrainischen Kulturschutz
und Wissenschaftsbetrieb
zu unterstützen versuchten. : ein Projektbericht
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten