Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Rhode, Martin: Notfallsicherung kulturellen Erbes in Kyjiv, oder wie Kolleg*innen den ukrainischen Kulturschutz und Wissenschaftsbetrieb zu unterstützen versuchten.

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Notfallsicherung kulturellen Erbes in Kyjiv, oder wie Kolleg*innen den ukrainischen Kulturschutz und Wissenschaftsbetrieb zu unterstützen versuchten. : ein Projektbericht
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62ÖZV, LXXVIII/127, 2024, Heft 1Gespräch mit Astrid Hammer(Kustodin der Fotosammlungund Präventivkonservatorin im Volkskundemuseum Wien)Wie siehst du die speziellen Herausforderungen von Fotosamm -lungen aus konservatorischer Sicht?DiespeziellenHerausforderungen lassen sich relativ einfach mit derZusammensetzung und den komplexen chemischen Reaktionen beider Herstellung von fotografischen Objekten erklären. Deren organi-schen(Gelatine) und anorganischen Bestandteile(Trägerschicht undSilber[-salze]) sind licht-, feuchte- und temperaturempfindlich undbieten Angriffsfläche für mikrobiellen Befall. Kommt Feuchtigkeit insSpiel, wird die Gelatineschicht weich und porös. Schimmelpilze drin-gen ein, ernähren sich von dieser. Zusammen mit Staub und dessenBestandteilen(Salze und Hautschuppen) bietet die Gelatineschichtbeste Nahrung. Abgesehen von den organischen Prozessen könnenauch nach der Entwicklung anorganische Reaktionen stattfinden, dieunumkehrbar sind. So reagieren bei unzureichender Fixierung einesNegativs in Verbindung mit Licht weitere Silberionen, das Bild dun-kelt nach. Wird die Gelatineschicht einer Fotografie aufgrund vonFeuchtigkeit porös, kann Silber aus den tieferen Schichten an dieOberfläche gelangen und es kommt zur sogenannten Aussilberung.Temperatur ist ein weiterer Katalysator für Abbauprozesse. Schonwenige Grade mehr lassen fotografische Objekte um Jahrzehnteschneller altern. Damit lässt sich erkennen, was es für dieses Gefügean empfindlichen Materialien braucht: Eine saubere Umgebung,Dunkelheit, Trockenheit und niedrigere Temperaturen. Dies sindgleich vier Bedingungen auf einmal, aber sie lassen sich oft einfacherund mit weniger Mitteln umsetzen als man denkt!Wie hast du die Materialien für das Kyjiver Archiv ausgewählt?Als Präventivkonservatorin und Kustodin der Fotosammlung miteinem beruflichen Vorleben als Naturwissenschaftlerin ist es dasZusammenspiel mehrerer Faktoren, die mich die Auswahl tref-fen lassen. Zum einen bedenke ich die Prozesse(siehe oben) undderen Vermeidung(mein naturwissenschaftliches Denken). ZumZweiten halte ich mich an die Definition der Präventiven Konser-vierung, die genau wie die der Nachhaltigkeit das Wohl dieserundder kommenden Generationen in den Mittelpunkt stellt, was nur