Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Rhode, Martin: Notfallsicherung kulturellen Erbes in Kyjiv, oder wie Kolleg*innen den ukrainischen Kulturschutz und Wissenschaftsbetrieb zu unterstützen versuchten.

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Notfallsicherung kulturellen Erbes in Kyjiv, oder wie Kolleg*innen den ukrainischen Kulturschutz und Wissenschaftsbetrieb zu unterstützen versuchten. : ein Projektbericht
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60ÖZV, LXXVIII/127, 2024, Heft 1beträchtlich in die Digitalisierung investieren und bisweilen groß-zügige Zuwendungen von privater Seite sowie aus internationalenKooperationsprojekten erhalten, werden viele kleinere Archive undInstitutionen mit Spezialsammlungen vernachlässigt. Das betrifftu. a. die zahlreichen Archive, die zur Nationalen Akademie der Wis-senschaften der Ukraine gehören, unter diesen auch das Archiv desInstituts für Archäologie. Gleichzeitig führen die Kürzungen derstaatlichen Förderung der Akademie dazu, dass Stellen abgebautund Gehälter reduziert werden, wovon nicht zuletzt auch diejenigen­Kolleg*innen betroffen sind, die die Kulturgüter bewahren, die denAkademieinstituten anvertraut sind.Allen erwähnten Kolleg*innen und Institutionen gilt meinherzlicher Dank. Der Zusammenhalt unserer akademischen Netz-werke für ein solches gemeinnütziges Projekt hat mich zutiefst beein-druckt. Ich hoffe, dass sich Geldgeber*innen und Kolleg*innen durchunsere Berichte sowohl von dem Mehrwert als auch der Realisierbar-keit solcher vergleichsweise niederschwelligen Projekte zum Erhaltkulturellen Erbes überzeugen können. Die weiteren Projektschrittewerden in den folgenden Gesprächen mit den Beteiligten erhellt.Gespräch mit Herbert Justnik(Kurator im Volkskundemuseum Wien)Wie hast du persönlich den Angriff auf die Ukraine erlebt?Ich war schockiert und verstört und ich war unhinterfragt solidarischmit der Ukraine. Ich war besorgt nicht nur wegen des zu erwartendenLeids und der vermutbaren kommenden Gräuel, sondern auch ganzkonkret angesichts der Gefahren für unsere Kooperationspartner*in -nen in der Ukraine. Es stellte sich mit der Zeit allerdings auch Kritikgegenüber nationalistischen Formierungen ein auch aus der eigenenForschung heraus. Wie schnell dann im diasporischen Diskurs undseinen Unterstützungen ethnonationalistische Ikonografien erschie-nen und welche Formationen in der Suche nach dem wehrhaften Wirauftauchten war befremdlich, gerade weil diese Reaktionen teils sonachvollziehbar erscheinen.