Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde127 (2024) / N.S. 78Luggauer, Elisabeth: Ethnografieren in europäischen (Semi-)Peripherien?

  
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Ethnografieren in europäischen (Semi-)Peripherien? : vom Re-Perspektivieren in Kontaktzonen
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Elisabeth Luggauer, Ethnografieren in europäischen(Semi-)Peripherien?25angewandt wird. Cihangir Gündoğdu wiederum zeichnet nach, wiesich diese Transformationen in städtischen Menschen-Hunde-Bezie-hungen aus mitteleuropäischen Städten im Zuge von komplexen undwechselseitigen Europäisierungsprozessen ab Ende des 19. Jahrhun-derts im Istanbul des späten Osmanischen Reiches ausbreiteten, städ-tische Neuaushandlungsprozesse anstießen, und wie diese Transfor-mationen zwischen mitteleuropäischen Städten und dem zerfallendenOsmanischen Reich als Indikatoren für Moderne und Zivilisationzirkulierten und angewandt wurden.40Das hier dargestellte Forschungsprojekt nimmt seinen Aus-gang in der biografischen und stadtforschenden Verortung in Wienund Graz, wo als Haustiere gehaltene Hunde, die sich ohne Leinedurch die Stadt bewegen, ein öffentliches und politisches Ärgernisdarstellen.41Es folgt dem Interesse, wie es sich in anderen Stadtkon-texten mit Hunden leben lässt, die keinem Menschen zuordenbarsind und alsstreunend deklariert werden. Dieses Projekt nahm alsozunächst Spuren dieser, in der modernistischen mitteleuropäischenStadtidee zu einem Zentrum hegemonialisierten, Codes auf und willdiese Codes aus dem Zentrum hinaus verfolgen. Ich begebe michalso perspektivisch und räumlich in kultursemiotisch und geopoli-tisch peripherisierte Kontexte. Von diesen peripherisierten Kontex-ten aus gilt es wie von der Kritischen Europäisierungsforschunggefordert, Europa zu dezentrieren und neu zu perspektivieren.42Dazu, so Jens Adam, Manuela Bojadžijev, Michi Knecht, PawełLewicki, Nurhak Polat, Regina Römhild und Rika Spiekermann, solleinpostkolonialer Blick[] entschiedener als bisher auf die globalverflochtene Gegenwart des Kontinents geworfen werden, der es40Vgl. Cihangir Gündoğdu: Dogs Feared and Dogs Loved. Human-DogRelations in the Late Ottoman Empire. In: Society& Animals 2020,S.1–22.41Vgl. Klara Löffler: À la longue. Mensch und Hund unterwegs in derStadt. In: bricolage. Innsbrucker Zeitschrift fürEuropäische Ethnologie6, 2010, S.204–224; Elisabeth Luggauer: Die Ordnung von Wildheit.Hunde in städtischen Räumen. In: Tierstudien 8, 2015, S.104–114.42Vgl. Römhild(wie Anm. 34); Jens Adam, Manuela Bojadžijev, MichiKnecht u.a.: Europa dezentrieren: Programm und Perspektiven einerAnthropologie reflexiver Europäisierung. In: Dies.(Hg.): Europa­dezentrieren. Globale Verflechtungen neu denken. Frankfurt a. M. 2019,S.7–33.