Berichte und Besprechungen283Nachruf Leander PetzoldtLeander Petzoldt wurde am 28. August 1934 in Rennerod(Wester-wald) geboren und starb am 14. April 2024 in Bad Waldsee(Ober-schwaben). Er studierte Germanistik, Anglistik, Geographie undVolkskunde in Frankfurt am Main, an der FU Berlin und in Mainz,wo er 1964 bei Lutz Röhrich mit der ArbeitDer Tote als Gastpromo-viert hat.1Von 1963 von 1965 war er Forschungsassistent an der Aka-demie der Wissenschaften und Literatur in Mainz sowie im HöherenSchuldienst tätig, den er mit dem Assessoren-Examen abschloss. Ererhielt einen Ruf als Assistent Professor an die American Universityin Washington DC, den er indes ablehnte und stattdessen als wissen-schaftlicher Assistent an das Institut für Volkskunde in Freiburg imBreisgau ging, wo er von 1967 bis 1973 tätig war. 1973 wurde er Profes-sor für Literaturwissenschaft und Volkskunde an der PädagogischenHochschule Weingarten. Er habilitierte sich 1974 an der UniversitätGießen und wurde 1984 Nachfolger von Karl Ilg(1913–2000) alsOrdinarius für Europäische Ethnologie/Volkskunde an der Univer-sität Innsbruck. 2002 wurde er emeritiert. 2015 erhielt er das Öster-reichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.Petzoldt arbeitete vorwiegend interdisziplinär in den Berei-chen Deutsche Philologie und Volkskunde, sein Hauptinteresse galtder internationalen komparatistischen Erzählforschung, insbeson-dere der Stoff- und Motivgeschichte sowie den Interdependenzenvon Literatur und Volkserzählung. In diesem Bereich hegte er einebesondere Vorliebe für die Sagenforschung, wovon nicht nur ein beiUTB erschienenes Standardwerk2sowie ein Band aus der WBG-ReiheWege der Forschungzeugen3, sondern auch eine Vielzahl anSagen-Editionen, zum Beispiel aus allen neun österreichischen Bun-desländern, die bei Eugen Diederichs erschienen sind,4und späternoch die umfangreiche zweibändige Ausgabe Südtiroler Sagen aus1Leander Petzoldt: Der Tote als Gast: Volkssage und Exempel(= FF communications, 200). Helsinki 1968.2Leander Petzoldt: Einführung in die Sagenforschung, 3. Aufl. 2002.3Leander Petzoldt(Hg.): Vergleichende Sagenforschung(= Wege derForschung, 152). Darmstadt 1969.4Vgl. https://www.leanderpetzoldt.at/(Zugriff: 21.7.2024).