Jahrgang 
127 (2024) / N.S. 78
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164ÖZV, LXXVIII/127, 2024, Heft 1Der dritte Abschnitt widmet sich denTechniken des Wun-derns und damit dem Wundern als verkörperteWahrnehmungs-,Fühl- und Wissensweise(S. 244), die im Planetarium als Teil derdort stattfindenden Wissensvermittlung erzeugt, eingeübt und per-formiert wurde. Dazu nimmt die Autorin mit viel Liebe zum Detailund Gespür für Nuancen die Körper und Praktiken der Besucher:in-nen in den Blick. Mit Bezug auf die beweglichen Stühle ein Parade-beispiel im Bereich der Literatur zu Affordanzen, worauf die Autorinauch selbst augenzwinkernd hinweist argumentiert Ahner, dass jenezentral und konstitutiv an der im Planetarium eingeübten Sehtechnikbeteiligt waren. Durch ihre Beweglichkeit sollten sie den Körpern derZusehenden den Blick nach oben erleichtern und ihnen so ermögli-chensich in ihren Sinnen[zu] verlieren und ihren sitzenden Körper[zu] ‚vergessen(S. 277). Ahner analysiert das Planetarium darüberhinaus in seiner Wirkweise alsAtmosphärenapparat, der in einemZusammenspiel aus dem Wundertopos, dem Einsatz von Musik unddem Einüben von Körperpraktiken einen bestimmten Modus derWahrnehmung hervorbrachte, welcherGefühle wie Erbauung, Ent-zückung, Ehrfurcht, Andacht und Begeisterung beinhaltete und dasastronomische Wissen als bedeutsam erfahrbar machte(S. 262). Dieästhetische Inszenierung von Feierlichkeit sowie die Nähe des Wun-derns zu religiösen Gefühlen deutet Ahner abschließend als Möglich-keitsbedingungen für Transzendenzerfahrungen im Planetarium, dievon den Zeitgenoss:innen je nach Weltanschauung im Anschluss alschristlich oder politisch oder als Erfahrung des technisch Erhabenengedeutet wurden.Die Dissertation ist ein gelungenes Beispiel für das analyti-sche Potenzial eines weitgefassten kulturwissenschaftlichen Technik-begriffs. Vor diesem Hintergrund verwundert es ein wenig, dass diegrundsätzliche Diskussion der Literatur aus der kulturwissenschaftli-chen Technikforschung erst auf Seite 147 gewissermaßen einleitend indas folgende erste thematische Kapitel stattfindet. Gerade dieser Teilhätte auch in dem ausführlicheren Überblick über den Forschungs-stand am Anfang des Buches besprochen werden können, der in derEinleitung angesiedelt ist. Allerdings wird dort lediglich die interdis-ziplinäre Weltraumanthropologie behandelt. An welcher Stelle dieEinordnung der Arbeiten zur kulturwissenschaftlichen Technikfor-schung vorgenommen wird, bleibt letztlich eine Geschmacksfrage.