Berichte und Besprechungen107Gegen Ende des Jahres haben wir zunehmend sichtbar aus-geräumt und abgebaut. Die noch im Haus befindlichen Sammlun-gen wurden sukzessive aus dem Keller, dem Bunker und kleinerenDepots abgesiedelt. Im Oktober hieß es nach fast 30 Jahren„ByeBye Schausammlung“. Zu diesem Anlass luden wir unter anderemdie Architektin Elsa Prochazka sowie die damaligen Kurator:innender Dauerausstellung zu Sonderführungen ein. Die Schausammlungwurde zuletzt im Jahr 2018 im Rahmen eines Projekts der WIEN-WOCHE erneuert: Unter dem TitelDie Küsten Österreichserzähltendie eingearbeiteten Objekte von Flucht und Ankommen in Österreichund konfrontierten die historischen Objekte aus den Sammlungenmit gegenwärtigen gesellschaftlichen und individuellen Herausforde-rungen.Die Küsten Österreichsgaben immer wieder Anlass zu intensi-ven und teils kontroversen Auseinandersetzungen, die maßgeblich zueiner Politisierung der Museumsdinge beitrugen und unsere Arbeitnachhaltig prägten.Außerdem zeigten wir in der Passage zwei Ausstellungen:977 Bierdeckel-Medaillons aus Porzellan füllten die Vitrinen bis Juniund wurden abgelöst durch eine Präsentation zu Sojabohnen undErinnerungen an 150 Jahren Wiener Weltausstellung. Ende des Jah-res bauten wir die Vitrinen in der Passage ab und machten Platz fürdie Umgestaltung des Erdgeschosses zu denOpen Spaces& Galleries,die mit Jänner 2024 Räume für insgesamt 13 Gruppen und Initiativenaus dem postmigrantischen Kulturbereich bieten.Mit rund 150 Veranstaltungen und Führungen war die Arbeitim Volkskundemuseum Wien gewohnt intensiv und von vielenfruchtbaren Kooperationen geprägt. Im Herbst machte zum zweitenMal das re:pair FESTIVAL bei uns Station mit zwei Ausstellungen,zahlreichen Lectures und Workshops.#standwithukraine hieß esauch im letzten Jahr und so gaben wir der ukrainischen CommunityRaum für insgesamt fünf Kunstausstellungen, die sich zum Teil mitden aktuellen Geschehnissen im vom Krieg betroffenen Land ausein-andersetzten. Von März bis August war das Queer Museum Viennazu Gast im Volkskundemuseum mit zwei Ausstellungen, mehrerenVeranstaltungen und Workshops.Das kuratierte Bereitstellen von Räumen für externeAkteur:innen ist eine schon über viele Jahre geübte Praxis der Koope-ration. Eine intensivierte Form erfährt sie 2024 mit denOpen Spaces