Jahrgang 
127 (2024) / N.S. 78
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Editorial Heft 1/2024Wie sehr und mehr oder minder offensichtlich sich Kontexteund weltpolitische Faktoren in die Österreichische Zeitschrift fürVolkskunde einschreiben, zeigt einmal mehr dieses Heft 1/2024.Mit der im Juni stattfindenden EU-Wahl schiebt sich zusehendsdas Thema Europa ins Blickfeld. Der Fokus EU verdeutlicht dabeieingeschränkte Perspektiven auf Europa, diverse Krisen und Kriegestellen unsere europäischen, als europäisch gedachten Alltagserfah-rungen infrage. Sie provozieren über nunmehr wieder unsichereGrenzen ein politisches wie auch wissenschaftliches Nach- undWeiterdenken.Intensiv tut dies Elisabeth Luggauer in ihrer peer-reviewtenAbhandlung zuEthnografieren in europäischen(Semi-)Peripherien?Vom Re-Perspektivieren in Kontaktzonen, in der sie ausgehendvon ihren Multispezies-Forschungen in Podgorica Europa geo-grafisch wie disziplinär-methodisch auslotet. Anhand empirischerBeispiele reflektiert Luggauer ihre europäisch-ethnologischen Erfah-rungen von Eigen/Fremd, die veranlassen, eine bereits vieldiskutierteund zuweilen als abgeschlossen erachtete Fachdebatte zum Selbstver-ständnis derEuropäischenEthnologie neu aufzurollen, und damit denFeldbegriff, die Südosteuropaforschung und den Umgang mit demsüdöstlichen Europa neu zu konzipieren.Den Grenzen bzw. Rändern des europäischen Wissenschafts-systems geht Martin Rohde in seinem Essay zum ukrainischen For-scher Fedir Vovk und dessen Nachlass nach. Ebendieser Nachlass liegtimWissenschaftlichen Archiv des Instituts für Archäologie der NationalenAkademie der Wissenschaften der Ukrainein Kyjiv, das durch den russi-schen Angriffskrieg seit zwei Jahren gefährdet ist. In einem weiterenBeitrag zurNotfallsicherung kulturellen Erbes der Bestände desArchivs, beschreibt Rohde nicht zuletzt die schnelle und tatkräftigeUnterstützung durch Kolleg*innen des Volkskundemuseum Wien fürdieses Unterfangen. Der Autor war die maßgebliche treibende Krafthinter dieser Initiative und berichtet eindrücklich über Bedingungenwissenschaftlicher, archivalischer und konservatorischer Arbeit inKriegszeiten.In gewisser Weise schreibt Bernhard Fuchs im Nachruf aufOlaf Bockhorn Fachgeschichte, wenn er dessen für die österreichische