vorkommt, übrigens ein durchaus weltlicher Spruch, dann ist er deutsch, wiesich bei der Achtflachflasche auf S. 12 zeigt; da steht dann in einem Feld nebenden mehr oder minder phantastischen Tieren:
Drinck ain mal
vnd st. Drinck zwei mal
vnd gedrinck trei mal
vnd schve gelt
tas man dich fir
kanen schmarutzer helt.
Aber so ein Zutrinker- Vers ist offenbar eine Ausnahme. Meist begnügt man sichmit dem Besteller- Monogramm und der Jahreszahl und immer wieder mit einemZunftzeichen oder für gewöhnlich mit den stilisierten Blütenmotiven.
Imre Katona hat hier offenbar sehr fleißig die Bestände in Ungarn gesam-melt, in den Anmerkungen sind die Veröffentlichungen dazu genannt und dieAbbildungsbeschreibungen geben die Standorte und die genauen Maße an. DasBuch ist ganz in ungarischer Sprache geschrieben ohne auch nur die geringsteHilfe. Vielleicht sollte davon eine deutsche Ausgabe erscheinen.
Leopold Schmidt
St. D. Imellu, To peri zoon idiotitos ergu tu Ailianu os pijieidise on peri majikon kai deisidaimonon doxasionkai syitheion( St. D. Imellos, Das Werk des Aelianus über die Eigen-schaft der Tiere als Informationsquelle über magische und abergläubischeVorstellungen und Gebräuche). Athen 1972. 163 Seiten.
Die Habilitationsschrift des Direktors des Forschungszentrums für Grie-chische Volkskunde der Akademie in Athen wertet hauptsächlich die iatro-sophischen und therapeutischen Angaben des Sophisten Claudius Aelianus( zirka 170-235 n. Chr.) in dem genannten Werk aus, reiht sie, thematisch geglie-dert, in das Heilwissen und die Arztkunst der Zeit ein und verfolgt ihren dia-chronischen Werdegang durch die byzantinische Periode herauf bis zum Volks-glauben und den Heilpraktiken der Neugriechen. Die heilmagischen Vorstellun-gen und volksmedizinischen Therapiemethoden erweisen sich dabei als unglaub-lich zählebig und geographisch weit gestreut. Methodisch schließt der Verfasserdamit an das Konzept seines Vorgängers G. Spyridakis( †) an, der die Quellenzur byzantinischen Volkskultur programmatisch für die neugriechische fruchtbargemacht hatte, und dehnt die erfolgreiche Komparation historisch bis zumrömisch- griechischen Hellenismus aus. Damit schließt der Verfasser an die Ver-suche älterer Forschergenerationen an, die Volkskunde auch die Ergebnisse derAltphilologie und Archäologie in Erwägung ziehen zu lassen; die statische undunilineare Kontinuitätsvorstellung hat dieses Konzept späterhin problematischwerden lassen. Die griechische Forschungstradition nimmt in dieser Entwicklungeine Sonderstellung ein.
Das Werk des Aelianus, ein Schüler Pausanias, stellt eine wahllose Kom-pilation älterer und zeitgenössischer Quellen dar und darf mit der literarischenGattung der Tierfabel bzw. des Tiermärchens in Zusammenhang gebracht wer-den. Das hellenistische Interesse am Tier, besonders am außergewöhnlichen Tier,wird auch in anderen Erscheinungen manifest, wie den Zoologischen Gärten inden großen Metropolen, die Freude an Dressurakten u. a., und bewegt sich vordem geistigen Hintergrund eines bukolischen und zugleich verwissenschaftlichtenNaturgefühls. Die in klassischem Attisch verfaßte Zoologie des lateinischenSchriftstellers sprach vermutlich einen breiten Leserkreis an. Die Quellenangabenwerden meist von ihm unterschlagen; daß Aelianus selbst etwas aus der leben-digen Tradition der Zeit geschöpft hat, ist unwahrscheinlich.
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