Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Ludwig Merkle, Alte Bergsteigerei. München 1976, Süddeutscher Ver-lag. 176 Seiten mit 5 Abb. nach alten Vorlagen.

Wenn man die alte beschreibende Literatur kennt, die Art, wie sich dieAufklärer einerseits, die Romantiker anderseits den Bergen in Österreich und inBayern genähert haben, dann ist einem viel von dem bekannt, was Merkle hierin seiner netten Auswahl zusammengetragen hat. Er hat die Abschnitte ungefährdem Geschmack der Zeit um 1800 entsprechend angeordnet, von den scheuß-lichen Bergen" der Frühzeit bis zu den wahrhaft schönen Hirtinnen", die manimmer wieder erwartete und doch nur so selten fand. Für uns ist es schon wich-tig, daß Merkle eine beachtliche Anzahl von österreichischen Reisenden undTopographen kennt und benützt: Ebel( 1803), Hacquet( 1785), Kürsinger( 1841),Kyselak( 1829), Sartori( 1812), Schrank( und natürlich Moll)( 1785), Schubart( 1834), Schultes( 1804), Vierthaler( 1816) und Weidmann( 1834). Da fallen zumin-dest zum Almleben von damals ganz nette Belege ab, von der Hütte bis zurSpeisenbereitung. Lob steht neben viel Tadel und Unverständnis. Die erstenTouristen wußten nicht, daß sie aus einer anderen Welt kamen. Aber sie brach-ten deren Hauch mit, der im Lauf von zwei Jahrhunderten die alte Menschen-welt der Alpen so gründlich verändern sollte.Leopold Schmidt

Hessische Töpferei zwischen Spessart, Rhön und Vogelsberg. Herausgegeben vonJoachim Naumann(= Kataloge der Staatlichen KunstsammlungenKassel, Nr. 7. Kassel, Staatliche Kunstsammlungen, 1975. 56 Seiten, Abb.auf Tafeln.

Bauernkultur in Mecklenburg III. Die Keramik( Katalog der VolkskundlichenSammlungen des Historischen Museums Schwerin). Bearbeitet von RalfWendt. Schwerin, Historisches Museum, 1976. 120 Seiten, 71 Abb. aufTafeln.

Die eigentliche volkstümliche Keramik, die Hafnerware, ist die längste Zeitdas Stiefkind in Forschung und Veröffentlichung gewesen. Gesammelt haben dieMuseen freilich von Anfang an auch auf diesem Gebiet, aber bis zur eingehen-deren Erforschung einzelner Hafner und ihrer Werkstätten und bis zur typo-logischen Durchmusterung der Bestände hat es lang gedauert. Die in den letztenJahren zügig begonnene Forschung, vor allem in München von dem vor kurzemverstorbenen Paul Stieber betrieben und weiter angeregt, hat schon viel erbracht.Ohne sie wären die Veröffentlichungen der letzten Jahre nicht zu verstehen, obsie nun damit direkt oder nur indirekt in Zusammenhang stehen mögen.

Seit Adolf Spamer 1933 seine Vorbemerkungen zu einer Darstellungder hessischen Töpfer- und Zieglerkunst" veröffentlichte( Hessische Blätter fürVolkskunde, 32, S. 52 ff.) ist viel Zeit vergangen. Aber in all den Jahren sinddoch immer Beiträge, früher von Karl Rumpf, heute von Alfred Höckund einigen wenigen anderen, veröffentlicht worden, welche ein gewisses Bilddes Bestandes schon ergeben. Ein Privatsammler, Ludwig Steinfeld inSchlüchtern, hat jahrelang ganz auf sich gestellt die alten Hafnerarbeiten gesam-melt und seine mit viel Mühe erworbenen Schätze nunmehr dem Hessischen Lan-desmuseum in Kassel übermacht: 750 Stück Irdenware und 160 Stück Steinzeug,ein sehr schöner Bestand. Er berichtet darüber einleitend und die FachleuteAlfred Höck( Zur Töpferei im ehemaligen Kreis Schlüchtern und: Hinweiseauf die neuzeitliche Töpferei im Gebiet der ehemaligen Kreise Fulda und Geln-hausen), dann Ulf Leinweber( Bemerkungen zur Töpferei in Lauterbachund Schlitz, Römershag und Oberbach), Liesel Tripp( Der Eulofen, aus mei-ner Kindheit in Steinau an der Straße) und Joachim Naumann( Die Gefäße)schließen daran an. Joachim Steinfeld hat noch Erinnerungen eines alten

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