Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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derdeutschen Überlieferungen zusammenhängen, wäre die Herausgabe desTypen- Index in deutscher Sprache wohl sinnvoll, denn mit den friesischen Tex-ten, ohne jegliche Übersetzung, wird sich die Volkserzählforschung doch sehrplagen müssen. Aber die Sammlung und ihre Herausgabe an sich ist selbstver-ständlich sehr löblich. Das Buch mit seinen eindrucksvollen Zeichnungen istsicherlich auch als Volksbuch für das niederländische Friesland verwendbar.Leopold Schmidt

Gerhard Heilfurth, Der erzgebirgische Volkssänger AntonGünther. Leben und Werk. Frankfurt am Main 1962-1976. VerlagWolfgang Weidlich. 286 Seiten mit 34 Abb. auf Tafeln.

1876, vor genau 100 Jahren, ist der nachmals berühmte erzgebirgischeVolksdichter Anton Günther in Gottesgab zur Welt gekommen, 1937 hat er sieebendort freiwillig verlassen. Gerhard Heilfurth, der sich praktisch sein Lebenlang mit dem Volkslied und Bergmannslied des Erzgebirges beschäftigt hatseine Dissertation von 1935 hat schon davon gehandelt, hat diesem Volks-dichter eine bedeutende Monographie gewidmet, die gleichzeitig das ganze Werk,die gesamte Mundartdichtung Günthers enthält. Das Buch erscheint seit vielenJahren in immer neuen Auflagen. Die vorliegende 7. Auflage ist wieder ergänztund nicht zuletzt mit den sehr aufschlußreichen Bildern von der erzgebirgischenGrenze zwischen Sachsen und Böhmen ausgestattet, auf der Günther aufwuchs.Damals vor 100 Jahren reichte noch das alte Österreich- Ungarn bis zurdamaligen deutschen Reichsgrenze und die Verhältnisse waren wohl ärmlich,aber erträglich und vor allem politisch unbelastet. Daß sich Gewitter zusam-menbrauten, merkte Günther erst, als er Jahre lang in Prag arbeitete und dortauch zum Heimat- und Mundartdichter wurde. Als solcher kehrte er in seinehochgelegene windumbrauste arme Heimat zurück und hat viele Jahre als Bauer,als Handelsmann, als Volksmusikant und als Heimatsänger gewirkt. Seine volks-tümlichen Lieder sind in einer Zeit lang vor dem Rundfunk viel gesungen wor-den. Sie standen ja auch in den verschiedensten volkstümlichen Zusammenhän-gen, ebenso wie die Schwänke, welche Günther erzählte und die Heilfurth auchin diesen Band aufgenommen hat. Seine mit Worterklärungen und Registernausgestattete Monographie ist daher in vieler Hinsicht aufschlußreich.

Leopold Schmidt

Paul Friedl, 461 Haus- und Sympathiemittel. Vom Überlugen,Ansprechen, Gesundbeten und Anwünschen. In 50 Jahren gesammelt undaufgezeichnet. Rosenheim 1976. Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg.144 Seiten, 98 Abb. nach alten Holzschnitten. DM 19,80.

Eine kleine Sammlung von volksmedizinischen Hausmitteln, wie sie im18. Jahrhundert in verschiedenen Veröffentlichungen kolportiert wurden, späterin die volksheilkundigen Handschriften gelangten und zum Teil auch mündlichüberliefert wurden. Gegen das Gerstenkorn etwa, aber auch gegen das Hühner-auge und die vielen anderen kleineren und größeren Beschwernisse. Paul Friedlin Zwiesel hat zusammengeschrieben, was er davon erfahren konnte, und hatsich mitunter auch davon überzeugen lassen, daß die Mittel halfen. Das alles isthübsch angeordnet, hübsch gedruckt und mit Holzschnitten aus dem Augsburger,, Buch der Tugend" von 1486 verziert, was den alten Hausmitteln einen Anscheinhöheren Alters verleiht, der ihnen vielfach wohl nicht ansteht. Aber wie beiallen Rosenheimer Raritäten" ist eben Wert auf ein sehr gefälliges Aussehengelegt. Für den Fachmann ist es einigermaßen tröstlich, daß ein alphabetischesSachregister auch ihm ermöglicht, sich rasch darüber zu orientieren, was hieretwa vom Knoblauch, von der Königskerze oder auch vom Kornschnaps mit-geteilt wird.Leopold Schmidt

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