Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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ten mehrere Neuaufzeichnungen, zum Teil von der Württembergischen Landes-stelle für Volkskunde zur Verfügung gestellt.

Die kapitelweise Aufgliederung nach Motiven und Motivgruppen ist nütz-lich, verführt aber bekanntlich leicht dazu, über die jeweiligen Grenzen hinaus-zugreifen, um noch die eine oder andere typische Ausformung miteinbeziehenzu können. Petzoldt sagt in der Einleitung darüber, daß auch in manchen Fäl-len die Überlieferung der benachbarten Landschaften einbezogen wurde"( S. 9).Wenn man diesbezüglich nachprüft, so wird man freilich finden, daß dies einiger-maßen häufig und auch recht weitausgreifend geschehen ist. Man kann Karlsruhe( 11, 69) ebensowenig hier einbeziehen wie Durlach( 12), Wertheim( 13), Lonner-stadt in Oberfranken( 16), Kreuzwertheim( 18), Ansbach( 47), Würzburg( 56),Hof( 60), Heidelberg( 70, 95), Aub( 88)- die Reihe läßt sich lang fortsetzen.Auf diese Weise geht doch der stammheitliche Charakter der Sammlung ver-loren, auf den der Leser bei dem Titel, Schwäbische Sagen" eben Anspruch hat.Sicherlich spielen heute die alten Stammesgrenzen bei weitem nicht mehr diegleiche Rolle wie etwa vor anderthalb Jahrhunderten. Aber dann sollte maneben derartige im Titel noch stammheitlich gebundene Ausgaben gar nicht mehrmachen.

Davon abgesehen wird man sicher feststellen, daß die Ausgabe gute Quel-lenangaben besitzt, daß in den Anmerkungen manchmal noch eine weitere Fas-sung aufgenommen wurde, zum Teil nach Aufzeichnungen aus jüngster Zeit,durch Mitglieder von Petzoldts Seminar. Der weiteren Erschließung dient einOrtsregister. Personennamen- und Motivregister fehlen auch hier. Auch ein Ver-zeichnis der Abbildungen, bei denen es sich doch um quellenmäßig wichtigealte Stiche usw. handelt, wäre in einem solchen Fall keine Verschwendung.Leopold Schmidt

Johannes Künzig( Hg.), Schwarzwaldsagen. Neuausgabe 1976. 384 Sei-ten mit 37 Tafel- und 34 Textabbildungen. Köln 1976, Eugen DiederichsVerlag. DM 29,50.

Künzigs ,, Schwarzwaldsagen", eine der besten landschaftlichen Sagensamm-lungen überhaupt, die schon bei ihrem ersten Erscheinen als vorbildlich empfunden wurde, ist von uns bei jeder Neuauflage wieder begrüßt worden. Es isterfreulich, daß die vor wenigen Jahren erst erschienene Neuausgabe nun schonwieder eine Neuauflage gefunden hat, die alle Qualitäten der erfreulichen Neu-ausgabe wieder besitzt. Mit Anmerkungen und Register wohlausgestattet unddurch die alten Ortsansichten wiederum erfreulich benützbar, lesbar undanschaulich.Leopold Schmidt

Ype Poortinga, De ring fan it ljocht. Fryske folksforhalen(= Fryskefolksforhalen, Bd. I). 416 Seiten mit zahlreichen Zeichnungen von G. vander Meer. Ljouwert/ Leeuwarden, Niederlande 1976. Verlag Bosch enKeuning NV, Baarn, De Tille BV, Ljouwert. Fl. 37,50.

Märchen aus Friesland, in der westfriesischen Sprache aufgezeichnet undveröffentlicht, sind für uns eine große Neuigkeit. Der Herausgeber Ype Poortingahat diese Märchen und Schwänke in den Jahren 1971-1974 für die FriesischeAkademie in Leeuwarden auf Tonband aufgenommen. Hier liegen sie nun vor,geordnet nach Wunder- und Zaubermärchen, Legendenmärchen, Novellenmär-chen, Schwänken und Münchhausiaden, insgesamt 297 Nummern, also ein sehrstattlicher Bestand. Erfreulicherweise sind Anmerkungen beigegeben, die imwesentlichen die Erzähler namhaft machen und die Aarne- Thompsonsche Typen-nummer angeben. Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß J. van der Kooi einen Type- Index of Folktales in West Frisian Popular Literature and Oral Tradi-tion" vorbereitet. Da die Märchen, soviel ersichtlich ist, sehr stark mit den nie-

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