auslesen kann, weisen darauf hin. Aber eine im engeren Sinn volkskundlicheAufbereitung wäre doch auch möglich und nützlich, womit ich übrigens nichtdie Einleitung Cammanns meine, in der er sich mit der theoretischen Literaturder späten sechziger Jahre auseinandersetzt, die mindestens meiner Ansicht nachdafür nichts hergibt.Leopold Schmidt
Ulf Diederichs und Christa Hinze( Hg.), Norddeutsche Sagen. Schles-wig- Holstein, Friesland, Hansestädte. Düsseldorf- Köln1976, Eugen Diederichs Verlag. 288 Seiten mit zahlreichen Abb. DM 29,50.In der alten Reihe„, Deutsche Stammeskunde", die Paul Zaunert heraus-gab, war kein Band„ Norddeutschland" enthalten. Aber die alten Sagensamm-lungen des mittleren 19. Jahrhunderts gibt es und eine Auswahl aus diesen kannwohl einen oder auch mehrere Bände ergeben, die stilistisch den Bänden derNeudrucke der Zaunertschen Serie angeähnelt sind. In dieser Art haben UlfDiederichs und Christa Hinze also nun eine Auswahl aus Otto Beneke( 1854),Ernst Deecke( 1852), Karl Müllenhoff( 1845), Friedrich Wagenfeld( 1845) undmehreren anderen vorgenommen und zwischendurch immer wieder Gustav Fr.Meyers ,, Schleswig- Holsteiner Sagen" von 1929 benützt, von welchen 1968 inihrem eigenen Verlag ja die von Kurt Ranke eingeleitete Neuausgabe erschie-nen ist.
Die aus diesen alten Ausgaben ausgewählten Sagen sind hier nun land-schaftlich angeordnet: Schleswig- Holstein, die Hansestädte und Friesland. DerQuellennachweis ist ganz knapp gehalten, leitet aber doch auf die Original-veröffentlichung zurück. Ein Ortsregister ist die einzige weitere Aufschlüsselungdes Bandes. Was man mit dem wichtigen Stoff sonst hätte tun und wie manzumindest mit einem Personennamenverzeichnis und einem Motivregister derForschung hätte helfen können, das können wir hier nur so hinschreiben. DerVerlag läßt es nicht machen, er glaubt diese Bände zu einigermaßen erträglichenPreisen volkstümlich gestalten zu müssen. Daher hier nur einstweilen der Hin-weis, daß ein zweiter Band„, Norddeutsche Sagen" die Überlieferungen aus Nie-dersachsen„ zwischen Harz, Heide und Meer" bringen soll. Der Kenner denktwohl an die„ Norddeutschen Sagen, Märchen und Gebräuche" von AdalbertKuhn und Wilhelm Schwartz zurück, erstmals 1848 erschienen, die aber nun-mehr von Georg Olms in Hildesheim genau, aber sehr teuer neugedruckt wur-den.Leopold SchmidtLeander Petzoldt( Hg.), Schwäbische Sagen. Vom Odenwald bis zumBodensee, vom Schwarzwald bis zum Lech. Düsseldorf- Köln 1975, EugenDiederichs Verlag. 260 Seiten mit zahlreichen Abb. DM 29,50.
Im Gegensatz zu den aus mehreren alten Sagensammlungen einfach zusam-mengeschnittenen Sammelausgaben liegt hier eine ordentlich mit Quellenangabengearbeitete Auswahl vor, wie bei dem lang geschulten und bewährten Sagen-forscher Petzoldt gewiß nicht anders zu erwarten.
In der Zaunertschen Serie hat Rudolf Kapff 1926 einen Band„ Schwä-bische Sagen" herausgegeben, der eigentlich nie zu den starken Bänden dieserReihe gerechnet wurde. Begreiflich, da es eben für Schwaben seit der Romantikviele gute, bei Anton Birlinger muß man wohl sagen sehr gute, Sammlun-gen gab. Sie sind gut ein Jahrhundert alt und kaum mehr erreichbar. Daherwar schon die Auswahl von Kapff berechtigt und ihre Neugestaltung durchPetzoldt ist es gewiß auch. Petzoldt hat die Sagen nach Motivgruppen geordnet,von den ,, Schicksalhaften Begebenheiten" bis zu den„ Schwanksagen und Orts-neckereien". Da ist also für alle wilden Frauen Glossar ::: zum Glossareintrag Frauen, Erdgeister, unheimlichen Gewäs-ser, Teufel und Riesen usw. gesorgt. Zu den Stücken aus alten Sammlungen tre-
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