historisches Temperament durchgegangen sein dürfte; reduziert man Text undAnmerkungen unter dem Aspekt des eigentlichen Themas- was sich lohnt-.erhält man eine schätzenswerte Bereicherung der Steinkreuz- Literatur. Freilichleidet unter dem eben diagnostizierten etwas einseitigen Temperamentsausbruchunter anderem die große Faltkarte, auf welcher die Signaturen der schlichtenSteinkreuze, die doch eher hervortreten sollten, gegenüber den farblich undgrößenmäßig bevorzugten Produkten von Genealogie und Heraldik stark
abfallen.
Hat der interessierte Leser nach all dem die oben vorgeschlagene Beschrän-kung aufs Wesentliche durchgeführt, findet er eine Menge beherzigenswerterErkenntnisse und Formulierungen. Die Erwägung über eventuelle sekundäre Ver-wendung des Steinkreuzes als Grenzstein fällt ebenso in diese Kategorie wie derHinweis auf das Markieren alter Verbindungswege und Straßen durch diverseFlurdenkmale( S. 132). Die Zahl XIII ist auch in diesem Zusammenhang keineUnglückszahl, denn sie kennzeichnet die für uns so wichtige Rückkehr desAutors zum übergeordneten Thema mit Erörterungen über Datierung und Epi-graphik des Trausdorfer Steinkreuzes, wie es richtig heißen müßte( nicht ,, Kreuz-stein"; so im Artikel auf S. 133). Richtig ist auch die Bemerkung, die freilichdem volkskundlich Geschulten nichts Neues bringt, daß nämlich die Zuordnungdurch kunsthistorische Stilmerkmale wie„ gotisch" oder„ romanisch" unterBezugnahme auf die Steinkreuze wenig zu sagen hat( S. 134).
Hat man nunmehr die Rezension einer wichtigen und verdienstvollenPublikation abzuschließen, griffe man gerne( als Volkskundler doppelt gern)nach einem Sprichwort und setzte den Schlußpunkt mit„ Ende gut, alles gut".Aber der fachliche G'wissenswurm nagt und bohrt, bis man die eingangs mehrspontan gestellte Frage wiederholt: Und wo ist der Volkskundler? Jetzt aller-dings ist sie das fundierte Produkt einer gewissenhaft durchgeführten Kritik undals solche erneut zu stellen. Denn dem Volkskundler hätte die Zusammenfas-sung, wohl auch die( undankbare) Arbeit einer Redaktion und Reduktion aufdas Wesentliche gebührt.Emil Schneeweis
Hans Mairhofer- Irrsee, Der Riese von Lengau. Lebensgeschichte vom2,58 m großen Franz Winkelmeier, dem größten Menschen der Welt. Salz-burg 1976, Verlag Alfred Winter. 84 Seiten mit zahlreichen Photographienvon Oskar Anrather.
Der bekannte Irrseer Holzbildhauer und Sammler Hans Mairhofer ist denSpuren des bedauernswerten„ Riesen von Lengau" nachgegangen. Der armeMann hat infolge seines merkwürdigen Längenwachstums kein schönes Lebengehabt und seine Angehörigen und Nachbarn haben noch lange von ihm erzählt,als er 1887 in seiner Heimat starb. Mairhofer hat die großen und kleinen Anden-ken an diesen bäuerlichen Menschen sorgfältig gesammelt. Die Bilder bezeugenHaus, Tracht, Gerät aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr eindring-lich, aber auch die Bildnisse, den Partezettel, das Grab schließlich in Lengau.Eigentlich ein menschliches und natürlich auch ein kulturgeschichtlichesDenkmal, dieses schmale Gedenkbuch über den unglücklichen bäuerlichen Rie-sen aus Oberösterreich.Leopold Schmidt
Unvergängliches Kärnten. Beiträge zur Heimatkunde Kärntens( Sonderdruck aus,, Die Kärntner Landsmannschaft", Festnummer Oktober 1976). Großoktav,192 Seiten mit zahlreichen Abb. Klagenfurt 1976, Kärntner Landsmann-schaft.
Der schöne Festband ist aus Anlaß der Tausendjahrfeier des Landes Kärn-ten entstanden. Er steht dementsprechend unter historischem Vorzeichen, beginntauch mit den„ Wichtigsten Daten zur Kärntner Geschichte", zusammengestellt
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