Auf die zahlreichen wichtigen Arbeiten aus dem Norden( AlexanderFenton, Andreas Ropeid, S. M. Tibbott) und Osten( Maria Dembinska, PirkkoKvoalainen, Grith Lerche, Wassil Marinow, Vacys Milius, Matti Räsänen, KerttuSuuronen, Zofia Szromba- Rysowa, Ofelia Vaduva, Niilo Valonen, RomulusVulcanescu) kann hier nicht eingegangen werden. Man ist dafür dankbar, daßsie hier zugänglich gemacht wurden.
Ulrich Tolksdorf, der sich auf dem Symposion von Helsinki so starktheoretisch äußerte, hat inzwischen den ersten Teil seines Werkes,„ Essen undTrinken in Ost- und Westpreußen", herausgebracht und damit zweifellos einegediegene Monographie vorgelegt. Er berichtet über die bisherige nicht sehrumfangreiche Forschung und gibt an, nach welchen Richtungen seine Material-erhebungen und Auswertungen zielen. Dann versucht er die„, sozio- ökonomischeSituation" im 19. und 20. Jahrhundert zu charakterisieren, was zweifellos fürseine Landschaften besonders wichtig erscheint. Dann setzt der 1. Hauptteil,, Sammelnahrung" ein, womit wir uns also wieder auf einem der guten altenBuschan- Haberlandt- Felder befinden. Zunächst wird das Sammeln von Wild-gräsern, Wildgemüse, Beeren und Früchten sowie Pilzen geschildert, dann folgtder Hinweis auf die Sammler und eventuellen Konsumenten, ferner ein Ver-such, zu klären, in welchem Sinn diese Dinge eigentlich gegessen werden; Tolks-dorf spricht da von einer„ Stellung im kulturalen Wertsystem". Schließlich folgtdie„ Kulturelle Technik", worunter man sich die Zubereitung vorzustellen hat.Das Kochen oder Roh- Verzehren spielen sich nach Tolksdorfs Ausführungen ineiner„, sozialen Zeit" und einem„, sozialen Raum" ab. Man merkt, daß bei ihmviel Theorie, viel Nomenklatur und vor allem viel überflüssiges Fremdwörter-wesen eine recht bedeutende Rolle spielen. Der nächste Hauptabschnitt ist derGetreidenahrung gewidmet. Hier wird zunächst über Anbau und Verbreitungder einzelnen Sorten, vom Weizen bis zum Reis, berichtet, dann folgt ein knap-per Exkurs über„ Mörser, Stampfen und Handmühlen". Und dann kommt breitausgeführt die„ Zubereitung und Stellung im Speisen- und Mahlzeitensystem”.Von den Suppen bis zum Brot und den Kuchen ist es ein langer Weg, aber manwird die Einzelausführung über Breie, Brennsuppen, Mehlklümpchen, Klöße,Fladengebäcke, Waffeln usw. mit Interesse zur Kenntnis nehmen. Den Abschlußdieses Teiles bilden die Ausführungen über die Festspeisen von Silvester biswiederum zu Weihnachten.
Eine reiche, auf einem gediegenen Fundament nicht nur der Literatur-kenntnis aufgebaute Arbeit, mit der man sich allenthalben auseinandersetzensollte. Manches darin liest sich zu theoretisch, zu fremdwortbelastet, zu sozial-theorieverliebt. Aber die Sammlung ist gut, die Aufarbeitung erscheint gediegen.Man kann den zweiten Teil also mit Interesse erwarten.
Leopold Schmidt
Das Sühnekreuz von Trausdorf an der Wulka, Burgenland.Schmid, Hanns: Ein petrologischer Beitrag zur Herkunft des Sühne-kreuzes.
Kaus, Karl: Der archäologische Befund.
Meyer, Wolfgang: Dokumentarischer Bericht.
Ratz, Alfred: Forschungen über Sühnekreuze, zur mittelalterlichenGeschichte von Trausdorf und über Leitnamen der Gutkeled.
(= Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, Heft 57, Kulturwissen-schaften. Eisenstadt, Burgenländisches Landesmuseum, 1975. S. 64-194,Abb. auf Tafeln, Karten, eine Faltkarte.)
Schon bei der ersten Durchsicht des vorliegenden Heftes erscheint es alsgutes Omen, daß Leopold Schmidt in seinem Artikel„ Beiträge zur Volks-kunde des Burgenlandes in den Jahren 1955 bis 1971" die Aufnahme der„ noch
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