Der Mann hat den rechten Zeigefinger rechts am Mund, den linken Zeigefingervon oben her links am Mund, nicht an der Nase, und ist also in Wirklichkeitein ,, Maulbreitzieher", wie wir ihn von vielen anderen Spottgebärdebildern gutkennen. Die Nasenspottgebärde, die von den Bäumls angenommen wird, gibt esdagegen in gleichzeitigen Zeugnissen nicht.
Tut nichts, solche Arbeiten sind schließlich unter anderem dazu da, umein derartiges umfangreiches Gebiet wie es eben das der Gebärde ist, einmalweiter aufzuarbeiten. In diesem Sinn wird das Buch sicherlich seine Dienste tun.Leopold Schmidt
Ethnologische Nahrungsforschung. Ethnological Food Research. Vorträge deszweiten Internationalen Symposiums für ethnologische Nahrungsforschung(= Kansatieteellinen Arkisto, Bd. 26). Helsinki 1975. 340 Seiten mit Abb.Ulrich Tolksdorf, Essen und Trinken in Ost- und Westpreu-Ben, 1. Teil(= Schriftenreihe der Kommission für ostdeutsche Volks-kunde, Bd. 13). Marburg 1975, N. G. Elwert Verlag. 447 Seiten mit 41 Kärt-chen. DM 28,-.
Die Speisenvolkskunde und ihre Ausläufer in Ethnologie und Soziologiehaben in den letzten Jahren eine bedeutende Förderung erfahren. Die großenVeröffentlichungen von Günter Wiegelmann und Hans Teutebergsind daraus entstanden und haben auf viele jüngere Nachfolger eingewirkt. Dieinternationalen Symposien, die dafür veranstaltet wurden, haben zur Förderungbeigetragen. Anni Gamerith hat in unserer Zeitschrift darüber berichtetund man darf sagen, daß auch aus ihren Berichten hervorgegangen ist, in wel-chem Ausmaß diese Forschung weiterwächst und wie Österreich gerade durchihre eigenste Forschung daran beteiligt ist.
Das Symposium in Helsinki, geleitet von Niilo Valonen, hat nunschon seinen literarischen Niederschlag gefunden. Der stattliche Band bringtalle Referate, von denen hier nur einige aufgezählt werden sollen. Jay AllanAnderson und Margaret Louise Arnott berichten über die Festspeisenam amerikanischen Thanksgiving Day. Nils- Arvid Bringéus, bedeutenderAnreger auch der Speisenvolkskunde, beschäftigt sich mit dem Zusammenhangvon Essen und Volksglauben in Verbindung mit der Herstellung von Blutwürsten.Anni Gamerith hat ihren Vortrag„ Arten und Wandel( der Breinahrung)am Beispiel des Landes Steiermark mit weiteren Bezügen" vorgelegt. Die unga-rische Spezialistin Eszter Kisban berichtet über„ Tagesmahlzeiten im Wan-del am Beispiel Ungarns". Ein bemerkenswerter Beitrag zur Gegenwartsvolks-kunde kommt von Konrad Köstlin über„ Die Revitalisierung regionalerKost", ein Phänomen, das man vermutlich nicht wird überbewerten dürfen. Mitden Vorspeisen im baltischen Bereich beschäftigt sich Gustav Ränk in demliebenswürdigen Beitrag„ Ein kleines Vorspiel zum Festmahl". Zum BeitragKöstlins bietet Erszebet Sergö in gewisser Hinsicht ein Gegenstück mit,, Ungarische Hirtenspeisen im Gaststättenwesen". Einem nicht ganz unbekanntenThema widmet Hans J. Teuteberg seine Studie ,, Zur sozialgeschichtlichenBedeutung der Kartoffeln und ihrer Eingliederung in die deutsche Volkskost".Das leitet zu den Überlegungen von Ulrich Tolksdorf„ Ernährung undsoziale Situation" über, die freilich so sehr auf dem Strukturalismus eines Levi-Strauss aufbauen, daß man an ihrer Gültigkeit einigermaßen zweifeln wird.Günter Wiegelmann steuert schließlich„ ,, Ideen zu einer kartographischenErfassung europäischer Kostunterschiede" bei. Die beigegebenen Karten ent-stammen der Arbeit von Erika und Heinrich Schmitthenner, Speise undTrank in Europa( Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Deutschen Institutsfür Länderkunde, N. F., Bd. 17/18, Leipzig 1960, S. 109 ff.), und werden vonWiegelmann methodisch kritisch betrachtet.
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