Literatur der Volkskunde
Gerda Grober- Glück, Motive und Motivationen in Redens-arten und Meinungen. Aberglaube, Volks- Charakterologie, Um-gangsformen, Berufsspott in Verbreitung und Lebensformen. 2 Bände( Text-und Tafelband)(= Atlas der deutschen Volkskunde, Neue Folge, Bei-heft 3). Marburg 1974, N. G. Elwert Verlag. 561 Seiten mit zahlreichenKartenskizzen im Text; Kartenband mit 49 Faltkarten. DM 270,-
Als 1933 die Leitung des Atlas der deutschen Volkskunde wechselte, brach-ten Adolf Spamer und Eduard Wildhagen Vorschläge für den V. Fragebogen,der dann auch ausgearbeitet und verschickt wurde. Bei den Mitarbeitern desAtlas und auch an den Landesstellen war dieser V. Fragebogen sehr umstritten.Er enthält Fragen, wie sie Adolf Spamer in seiner Bezogenheit auf das tatsäch-liche Leben des volksmäßigen Menschen in der Gegenwart wichtig erschienen,wie sie aber sowohl den stärker ethnographisch wie den eher kulturgeschichtlicheingestellten Bearbeitern und Kritikern banal, ja überflüssig erschienen. Fragenwie: Was sagt man, wenn sich die Katze putzt? hielt man weitgehend für unnötig.Daß sich aus der großräumlichen Beantwortung zumindest kulturgeographischeSchlüsse würden ziehen lassen, schien des doch sehr großen Aufwandes nichtwert.
Der Fragebogen ist ausgeschickt und vielfach auch beantwortet worden.Die Bogen sind 40 Jahre lang liegen geblieben. Es hat der ganze Mut, die ganzeTatkraft von Gerda Grober- Glück dazugehört, daß sie dieses Material von all-täglichen Redensarten mit der Zeit aufarbeitete, sicherlich zum Teil doch abund zu von der internationalen Sprichwort- und Redensartenforschung ermutigt,so ungefähr von Archer Taylor im Westen bis zu Matti Kuusi im Osten, die somanche hier vorliegende Komplexe zum Teil in eigenen Monographien bearbei-tet haben. In der Gegenwart hat man für die damals gestellten Fragen zweifelloswieder mehr Verständnis und wird es daher dankbar begrüßen, daß das Materialnunmehr einheitlich durchgearbeitet und auch sogleich in Kartenform dargestelltwurde.
Gerda Grober- Glück macht zunächst mit dem Besonderen dieses Materialswie mit ihrer Methode der Darstellung vertraut. Es ist die statistische Methode,deren praktische Durchführung die vorliegenden Karten ergeben hat. Dann folgtdie Darstellung des Materials, das in voller Breite dargeboten wird. Zunächstdie Abwehrhandlungen gegen das Verschreien, dann der Zahlenaberglaube, alsoDinge, um die sich die Volksglaubenforschung wohl immer schon gekümmerthat. Die volkscharakterologischen Fragen, die nun folgen, sind bei weitemweniger behandelt worden: Was sagt man zu Menschen mit zusammengewach-senen Augenbrauen, zu Blond- oder zu Schwarzhaarigen, zu Rothaarigenhäufen sich auch die literarischen Belege-, was zu Kraushaarigen, was zuLinkshändern?( Daß man diese heute gern zu einer„, unterprivilegierten Minder-heit" stempeln möchte, ist hier noch nicht berücksichtigt.) Dann folgen diesprachlich kuriosen Vergleiche, etwa„ frech wie Oskar" oder„ dumm wie Boh-nenstroh". Fast unglaublicherweise lassen sich auch daraus Ergebnisse gewinnen,wenn auch manchmal nur in der Hinsicht, daß man die Ausstrahlungen von
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