Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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tungen freilich, die er später noch als Präsident des Steiermärkischen Landtagesauf sich nehmen mußte, ließen ihm kaum die Muße zu Forschung oder aus-greifender Publikationstätigkeit. Immerhin vermehrte Koren auch jetzt nochseine wissenschaftlichen Arbeiten durch mehr als ein Dutzend bedeutender Bei-träge. Und was er hier selbst in kleinen Aufsätzen oder in Vorträgen nieder-gelegt hat, zählt durchwegs zum bleibenden Erkenntnisgut und trägt unverkenn-bar die Züge einer in die Tiefe gehenden Gründlichkeit und einer eigenen Origi-nalität.

Immer deutlicher brachten die Jahre der Reife Korens Kunst der Dar-stellung im Wort und in kleinen, freien Impressionen an den Tag, die er schonals Student pflegte. In einer stattlichen Reihe seiner großartig hinskizziertenReden und Vorträge, Memoiren und Schilderungen läßt er vor unseren Augenseine Begegnungen und Erinnerungen sprechen. Sie zeigen Koren als Menschenwie als Gelehrten und Landespolitiker von einer anderen Seite seines ganzenWesens und Denkens. Auch hier ist er der Meister in seinem Wort, erkennt selbstder Fernerstehende das unverwechselbare geistige Profil dieser in Wahrheit viel-seitigen und doch im letzten so nachhaltig von ihrer steirischen Heimat geprägtenund bewegten Persönlichkeit. Als solche wohl feiert man ihn in diesenWochen mit Recht. Als solchen wissen wir Hanns Koren auch unter uns. DieVolkskunde hat ihrem Jubilar gewiß vieles zu danken. Sie schließt daran ebensoherzlich als Angebinde ihre aufrichtigen Gratulationen für ihn. Uns freilich fehltzu solchem Anlaß der Genius seiner Worte und Reden. Aber er wird es ver-stehen und uns sicherlich unseren aufrichtigen Wunsch abnehmen, daß ihm derliebe Herrgott noch viele weitere und gute Jahre schenke und segne und daß essei nach dem Wort des Lateiners:

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faustum felixque!

Karl Haiding 70 Jahre

Oskar Moser

Im Juli dieses Jahres, am 3. 7. 1976, vollendete Karl Haiding sein siebzig-stes Lebensjahr. Aus der bekannten Wiener Schule( A. Haberlandt, R. Much,W. Koppers, A. Menghin) kommend, hat Haiding für die Volkskunde in Öster-reich und später namentlich des steirischen Ennsbereiches Bedeutendes und Blei-bendes geleistet. Er tat dies durch Jahrzehnte als Privatgelehrter und bis zuletztunter großen persönlichen Opfern; er ging aus von der Kinderspielforschung,gewann dann später vor allem als Erzählforscher Ruf und auch internationaleGeltung. Der Volkserzählung im weitesten Sinne sind seine bekanntesten Büchergewidmet, darunter Österreichs Märchenschatz"( 1953), Österreichs Sagen-schatz"( 1965),, Märchen und Schwänke aus Oberösterreich"( 1969) und dieNeubearbeitung von V. v. Geramb's Kinder- und Hausmärchen aus der Steier-mark"( 4. Aufl. 1967).

Als Lebenswerk des Jubilars freilich sind seit 1955 die Gründung und derAufbau des Landschaftsmuseums Schloß Trautenfels im steirischen Ennstal her-vorzuheben. Haiding hatte sich damit in umfassender Weise mit der gesamtenVolkskultur dieses Raumes auseinandergesetzt und uns so auch wichtige Bereicheder Sachkultur neu erschlossen. Für den rastlosen Ernst und Eifer, mit denen erdies tat, zeugen neben Erzähl- und Brauchforschung weit über 150 Publikationen.Karl Haiding ist Inhaber des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissen-schaft und Kunst sowie zahlreicher anderer Auszeichnungen. Er selbst wirkt bisheute in verschiedenen internationalen Forschungsgremien, Kommissionen u. dgl.Am 21. 8. 1971 wurde er an der Universität Graz zum Honorarprofessor er-nannt. Als Mitglied des Institutes für Volkskunde dieser Universität hat er sichstets auch um die Verbindung mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs angenom-men und gehört Karl Haiding zum Kreis der für die Volkskunde unablässigwirkenden und tätigen Persönlichkeiten der Steiermark. Wer um seinen Idealis-

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