Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Sp. Kavadias, der den kretisch- ionischen Mischdialekt einer linguistischenPrüfung unterzog, sowie der Präsident des Kongresses, S. Antiochos, derParallelen zum englischen Mummers- und Plough- Play sowie zur Commediadell'arte herstellte.

In der Abschlußsitzung traten wieder ganz die Definitionsprobleme in denVordergrund: stand zu Beginn der Begriff des Mittelalterlichen Theaters" imZentrum der Kritik, so nun der Begriff des Volkstheaters". Diakritische Kri-terien wie, vorrational", territoriale Bindung, autodidaktischer Ausbildungswegder Produzenten, Anonymität, soziale Zugehörigkeit der Spieler und/ oder desPublikums zu Unter- oder Agrarschichten wurden als unzureichend erkannt unddie Diskussion konzentrierte sich im folgenden auf Entstehungsgeschichte undSchwächen des Begriffes Volk", der sich in den verschiedenen Sprachen etwasunterschiedlich darstellt.

Auch auf dem theoretischen Sektor kam also der Kongreß nicht so sehrzu repräsentativen Ergebnissen als zu differenzierenden Einsichten in die Schwie-rigkeiten von nur begrenzt belastbaren Begriffen und schwer überprüfbarenZusammenhängen, wie sie für diese Spezialgebiete von Theatergeschichte, Kultur-historischer Volkskunde und Mediävistik kennzeichnend sind. In diesem Sinnebleibt für die kommenden Tagungen nicht bloß eine Stoffausweitung, sondernauch eine methodische Verfeinerung zu erwarten.

Hanns Koren 70 Jahre

Walter Puchner

Es ist uns Erkenntnis und Auftrag zugleich,,... den Charakter bewahren,das Inbild verwirklichen, die Person oder die Persönlichkeit retten, wie für denMenschen so für seine Gemeinschaft, in die er konkret als Schicksalsgemeinschafthineingewachsen ist, für das Volk." Mit diesen Worten unseres Jubilars möchteman in den Tagen seiner gedenken, da der steirische Gelehrte und Kulturpolitikersein siebzigstes Lebensjahr vollendet. Eine reiche und eine ungewöhnliche Erntedes Lebens ist es, auf die Hanns Koren zurückblicken kann.

Er ist als Sohn einer kinderreichen Bürgerfamilie am 20. November 1906in der weststeirischen Stadt Köflach geboren. Bis heute blieb ihm die heimatlicheWelt der Kleinbürger, Industriearbeiter und der Bauern des Umlandes diesersteirischen Bergmannsstadt unverloren. Hier verbrachte er seine frühe Jugend,hier erfuhr er erste prägende Eindrücke und kehrt er auch zu späten Impres-sionen noch immer gerne ein. Es folgen seine Gymnasialjahre am bischöflichenKnabenseminar in Graz und das Studium an der Universität Graz, an der erGermanistik( bei Polheim, Kleinmayr und Zwierzina), Volkskunde( bei Geramb),Kunstgeschichte, Archäologie und Soziologie betreibt. Früh zugleich mit derJugendbewegung des Bundes Neuland und mit der jungkatholischen Studenten-bewegung verbunden, formt alles das den angehenden Wissenschafter und be-stimmt ihn zunehmend inmitten eines bedeutenden steirischen Freundeskreisesund unter dem wachsenden Einfluß Viktor Geram b's und der aufstrebendenVolkskunde.

Als Koren 1932 mit einer Dissertation über die Steirischen Josephspielepromoviert, beginnen zugleich seine Wanderjahre. Er zieht an das eben neuge-gründete Salzburger Institut für religiöse Volkskunde und entfaltet hier seineerste wissenschaftliche Tätigkeit. Ausholende Kundfahrten und Bestandsauf-nahmen, Pläne zur Errichtung eines Archivs für Volksgebete und zu einem um-fassenden Museum für religiöse Volkskunde beschäftigen ihn neben seinem zu-nehmenden Auftreten in der Öffentlichkeit.

Was den Rastlosen in seinem Forschen und Suchen bewegt, findet alsbaldseinen Niederschlag in ersten Veröffentlichungen; 1934 erscheint bei Pustet seinHandbuch ,, Volksbrauch im Kirchenjahr", dem schon 1935 eine weitere Auflage

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