Chronik der Volkskunde
VI. Internationale Arbeitskonferenz des Ethnologischen Atlasses Europasund seiner Nachbarländer
St. Pölten, Niederösterreich, 20. bis 24. September 1976
10 Jahre nach der I. Internationalen Arbeitskonferenz des EthnologischenAtlasses Europas und seiner Nachbarländer, die 1966 in Zagreb stattgefundenhatte, hatte Österreich die Ehre, die diesjährige Arbeitstagung zu organisierenund zu veranstalten. 41 Teilnehmer aus 24 europäischen Ländern kamen nachzweijähriger Pause wiederum zusammen, um den Fortschritt der Atlasarbeit imnationalen Bereich international vorzustellen, zu koordinieren und damit dieArbeit für den Ethnologischen Atlas Europas nach einheitlichen und vergleich-baren Methoden voranzutreiben. Hiebei war besonders erfreulich, daß die analle europäischen Länder ergangenen Einladungen so großen Widerhall fandenund fast alle europäischen Staaten Vertreter entsenden konnten.
Gleich zu Beginn der Tagung war die das Vortrags- und Arbeitsprogrammumrahmende internationale Ausstellung der in den einzelnen Ländern bearbei-teten ethnologischen Karten und Kartenwerke ein eindrucksvoller Beweis dafür,daß die räumliche Betrachtungsweise in der Ethnologie vertieft Fuß gefaßt hatund sich in Beispielen höchst eindrucksvoller Art dokumentierte. Für die ge-zeigten Exponate waren drei Ausstellungsräume erforderlich, die Karten wurdendurch verschiedene Publikationen in Buchform ergänzt. Unter den gezeigten Bei-spielen befanden sich auch solche, die bereits durch automatisch gesteuerte Plot-ter hergestellt waren und zeigten, daß die computergestützte Kartographie auchvor der Ethnologie nicht halt macht.
Das zweitägige Vortragsprogramm war dicht. Traditionsgemäß hatte dasVeranstalterland den zu Ehren von Sigurd Erixon gehaltenen Einführungsvortragübernommen: emer. o. Prof. Dr. Wolfram sprach zum Thema„ Kulturgrenzen inEuropa" und bewies damit erneut seinen großen europäischen Überblick. Weiterswurde auch in St. Pölten, so wie seinerzeit in Helsinki durch Prof. TorstenHägerstrand, ein methodisches Grundsatzreferat gehalten. Frau Dozent Kretsch-mer sprach zum Thema„ Methoden der Materialaufbereitung und wissenschaft-licher Kartenentwurf", gezeigt an ethnologischen Beispielen. Im Hinblick aufKartenaufbau und Legendenentwicklung dürfte Österreich im europäischenRahmen unter die Ersten einzureihen sein.
Es folgte der Komplex konkreter Atlasthemen, der einerseits von einernationalen Basis ausgehend gesamteuropäische Überblicke anstrebte, andererseitserfolgversprechende Themen für den Europa- Atlas vordiskutierte. Zu ersterenzählte das Referat von Prof. Dr. O'Danachair und Dr. A. Gailey zum Thema„ Siedlung". Eindrucksvolle irische Beispiele bildeten die Grundlage für eineTypologie- Diskussion europäischen Formats. Frau Prof. Dr. Delitala gab einenÜberblick über die Fortschritte der volkskundlichen Kartographie in Italien. Aus-gehend von ihrem eigenen Forschungsbereich in Sardinien verdankt der EA esihrem besonderen Einsatz, daß nun auch für Italien ein zumindest lockeres Atlas-Komitee gegründet wurde. Aus Großbritannien berichtete Dr. Alexander Fentonüber die Arbeiten zur gesamteuropäischen Karte zum Thema„ Landtransport",
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