Eine Wallfahrt nach Maria Luschari
Erinnerungen aus dem Lande Salzburg
Von Karl Fiala
Zur Zeit erinnern sich nur einige alte Leute in den GemeindenGroßarl und Hüttschlag, Bezirkshauptmannschaft St. Johann imPongau, Salzburg, an eine frühere Wallfahrt zum Heiligen Berg, zurgnadenreichen Gottesmutter Maria Luschari, nun MonteSanto di Lussare. Sie wissen davon nur vom Hörensagen, daran teil-genommen haben sie nicht.
Aus meinen volkskundlichen Notizen:
Bei einem Besuch, 1922, bei Frau Maria Pedroß, geweste Heb-amme in Hüttschlag, sah ich in ihrem Gebetbuch ein Andachtsbildvom Gnadenort Maria Luschari. Auf meine Fragen erzählte FrauPedroẞ:„ Das Gebetbuch und Andachtsbild ist ein Erbe von meinemVater, der bei dieser Mannerleut- Wallfahrt selbst mitdabei war. Eine Woche oder länger vorher ist der Tag zum Aufbruchbei den Häusern eingesagt worden. An Wegzehrung haben sie( die Pil-ger) Munken oder auch Talken¹), Speck, Schmalz( Butter), Sauerkasund etwas Salz im Schnurfla 2) oder Wanderpack( eine Art selbst-erzeugter Buckelsack) mitgetragen. Vonnöten war auch ein Kochzoig,so, je nach Anzahl der Woifårer, ein paar Pfannen oder ein kleinerKochkessel und mehrist ein zweites Paar Schuhe. Gefahren, das ist hierzu Fuß gegangen, sind sie übers Pirg, entweder über die Arlschartedurch die Måetan( Maltein Dorf oder auch fürs Maltatal gebraucht)
1) Munke( n), eine Speise, im Pinzgau auch Karnerkoch genannt.Roggen wurde in Wasser geschwellt, nachher im Backofen gedörrt, sodanngebrochen oder auch grob gemahlen. Im Wasser gesotten und geschmalzt odergleich in heißem Schmalz gesotten ergibt eine sehr anhäbige Mahlzeit. Zu slowa-kisch móka F. Mehl. Talken M. Wenn Hüter mehrere Tage auf Tiersuchesind, Schafler, Karer( Galtviehhüter) länger nicht zur Almhütte kommen, so neh-men sie Salz für das Gelecke der Tiere und für sich selbst grob gemahleneGerste mit. In Wasser angerührt und gesalzen ergibt dies den Talken. NachE. Kranzmayer aus slawisch- awarisch talkon M. Gerstenschrott bzw. die Speisedaraus. Aber der Talken ist zur Zeit immer noch in Funktion, zwar nicht mehrals Menschenkost, sondern als Kraftfutter für Zuchtkälber.
2) Mundartlich Schnurfla( Schnurfler) zu mittelhochdeutsch snërfenstv. III, 2 refl. sich biegen, krümmen, einschrumpfen, Lexer 201.
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