Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Die alten Gerichtsstätten in Vorarlberg

Dingstätten, Tanzlauben, Gerichtsstuben

Von Karl Heinz Burmeister

Die historische Karte der Gerichte Vorarlbergs ¹) zeigt außer dendrei Stadtgerichten Bregenz, Feldkirch und Bludenz 25 ländliche Ge-richte. Diese werden durch das überregionale kaiserliche freie Land-gericht Rankweil überlagert 2). Daneben gibt es noch einige nichtter-ritoriale Gerichte, die in der Karte nicht aufscheinen, also insbesondereLehengerichte ³) oder auch das Berggericht im Montafon 4). Schließlichsind noch die als Appellationsinstanzen fungierenden Hofgerichte inBregenz 5) und Hohenems 6) zu erwähnen. Da nun außerdem die ,, ge-wöhnliche Dingstatt" im Laufe der Jahrhunderte wechseln und auch

1) Die farbige Karte ist zu finden in: Karl Heinz Burmeister, DasVorarlberger Landesarchiv, Einführung und Bestandsübersicht, Bregenz 1969,40. Im Jahre 1815 wurden die nördlichen allgäuischen" Gerichte an Bayernabgetreten; sie waren gleichwohl in die historische Betrachtung der Gerichts-stätten Vorarlbergs miteinzubeziehen, da diese ausschließlich den Verhältnissenvor 1806 gewidmet ist. Zur inneren Struktur und den Aufgaben der Vorarlber-ger Gerichte vgl. Karl Heinz Burmeister, Die Verfassung der ländlichenGerichte Vorarlbergs vom Spätmittelalter bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts( Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 19, 1971, 26-39).

2) Eine historische Karte des Gerichtssprengels ist zu finden in: HeimatRankweil, hg. v. Josef Bösch, Rankweil 1967, 137.

3) Vgl. dazu namentlich Kolumban Spahr, Die BenediktinerabteiMehrerau und ihr Märzen- oder Lehengericht zu Grünenbach im Allgäu( in:Festschrift Nikolaus Grass, hg. v. Louis Carlen und Fritz Steinegger, 1. Bd.,Innsbruck- München 1975, 91-109).

4) Vgl. Ludwig Welti, Bludenz als österreichischer Vogteisitz 1418-1806,Eine regionale Verwaltungsgeschichte(= Forschungen zur Geschichte Vorarl-bergs 9), Zürich 1971, 54-90.

5) Über eine Sitzung berichtet die Bregenzer Stadtchronik des Dr. ChristophSchalck, hg. v. Viktor Kleiner, in: Archiv für Geschichte und LandeskundeVorarlbergs 12, 1916, 50: Anno 1610. Den 2., 3. und 4. augusti, ist alhie zuBregenz, appellation gricht, von herren vogt und ambltleuthen, auf dem rathaußin der grossen rathstuben besessen und gehalten worden, welcheß zuvor mehrdan in 13 jahren nit geüebt noch gebraucht worden..." Schalck verwendet syn-onym auch die Bezeichnung Hofgericht für diese Appellationsinstanz.

6) Seit 1603 war das gräfliche Hofgericht Appellationsinstanz für die Ge-richte in Hohenems und Lustenau; vor dieser Zeit konnte man gegen Urteiledieser Gerichte in Lindau appellieren. Vgl. Ludwig Welti, Graf Kaspar vonHohenems 1573-1640, Innsbruck 1963, 487; Welti, in: Hohenems, Geschichte,121.

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