Innovation". Der Weg durch die Quellenaufarbeitung von der„, GeometrischenVolkskunst" bis zur„ Schöpferischen Tätigkeit in der Volkskunst" ist besondersinteressant zu verfolgen.
Manches Kapitel müht sich mit schwierigen Fragen, die nie richtig fertigbeantwortet werden können. So„ Der ethnische Bezug", wo„ Kulturelle Iden-tität und regionale Differenzierung" behandelt werden. Wenn man dazu dieBeispiele aus dem Elsaß betrachtet, die im Pariser Museum gut vertreten und indem Band schön abgebildet sind, wird man sich gewiß immer wieder fragen, obman sie unter den verschiedensten Aspekten des„ ethnischen Bezuges" hier her-einnehmen kann. Es ist die Volksgeschichte, die hier stärker spricht, im speziel-len die völlig unübersehbare Übereinstimmung der Elsässer Volkskunst mit dersüdwestdeutschen Überlieferung. Gerade bei geschichtlich- kunstgeschichtlichstark ausgeformten Volkskunstgruppen, also etwa beschnitzten Faßböden odermit Sprüchen verzierten Patenbriefen merkt man eben, daß deren Einbeziehungin eine„, Französische Volkskunst" unangebracht ist.
Alle diese Fragen sollten in einer ausführlichen Besprechung des nunmehrin der vorzüglichen Übersetzung von Torsten Gebhard vorliegenden Buchesnäher geklärt werden. Vom Standpunkt unseres Faches aus wird man Verfasser,Übersetzer und Verlag für ihre Leistung jedenfalls sehr dankbar sein.
Leopold Schmidt
Tamás Hofer und Edit Fél, Magyar Nép- Müvészet( UngarischeVolkskunst). Großformat 64 Seiten und 638 Abb. auf Tafeln. Buda-pest 1976, Corvina Verlag.
Die verehrten Budapester Kollegen Edit Fél und Tamás Hofer haben sichbereits wiederholt mit Forschungen und Darstellungen zur ungarischen Volks-kunst eingestellt. Ihre deutsche Ausgabe eines gleichnamigen Buches hat meh-rere Auflagen erlebt.
Hier liegt nun ein großformatiges Werk über den gleichen Gegenstand vonihnen vor, das offenbar mehr für den Bedarf in Ungarn selbst gedacht ist, dader Text und die Bildunterschriften nur in ungarischer Sprache gehalten sind.Der knappe Text, durch die Laune des Verlages auf grünes Papier gedruckt,erläutert die Abbildungen knapp nach Gegenstandsgruppen. Man erkennt diesinnvolle Anordnung: Das Dorf und seine Menschen, Gemeindebauten wie Kir-chen, einschließlich der alten Deckenmalerei, Grabpflöcke, Kreuze und Kapel-len, Religiöse Volksplastik, dann Hausform und Bauernhausgestaltung mitBerücksichtigung der Tore, der Küchen, der Stuben. Zu den Gebrauchsgerätenführen die Körbe, die Salzfässer, die Trinkkellen und es geht weiter über Block-schachteln zu den Pulverhörnern, aber auch zu den Haselnuẞknackern und überdie Peitschenschnüre zu den Peitschenstielen. Nach den Horn- die Metallarbei-ten und die Kerbschnittarbeiten, Waschbleuel wie Mangelbretter und anderesgeschnitztes Gerät. Man fühlt sich noch einmal in einer wahren Schatzkammeralter Volkskunst, auch wenn es weiter zu den Satteldachtruhen, den Schüssel-remen, den Pfeifen, den Brettstühlen und ihren Lehnen geht, zu den bemaltenTruhen mit guten Farbbildern, den Bänken mit ausgeschnitzten Lehnen, wobeidie soldatischen Motive auffallen. Hochzeitliches dagegen eher auf den Rasier-zeugschachteln, die unvermeidlichen Betyarenmotive, und ab und zu Märchen-haftes, verzauberte Vögel in den Bäumen und Melusinen.
Die verhältnismäßig vielen menschengestaltigen Motive mit ihren steifen,puppenartigen Soldaten und ihren Bräuten, die Geiger und Hirten gemahnenimmer wieder an die funktionelle Einbindung der mit ihnen geschmücktenGefäße und Geräte.
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