lichtmuseum des Bezirks Oberbayern in Großweil an der Glentleiten. DenAbschluß bildeten verschiedene Kurzreferate, die museumstechnischen Fragengewidmet waren. So referierte C. Ahrens etwa über den Brandschutz imFreilichtmuseum am Kiekeberg oder O. Vuorista sehr originell über„ DasProblem der Abnutzung der Museumsbauten durch die Besucher". Der Bandenthält selbstverständlich einen eigenen Tagungsbericht und ein Teilnehmerver-zeichnis, das den augenblicklichen personellen Stand der im volkskundlichenFreilichtmuseumswesen tätigen Bearbeiter dartut.
In den verschiedenen Beiträgen kommen die unterschiedlichsten Problemezutage, man ersieht recht gut, von welcher Seite die Bearbeiter jeweils ihreeigenen Sammlungen sehen. In manchen Fällen, vor allem bei den österrei-chischen Beiträgen, wird die wichtige alte Verbindung zur Bauernhausforschungdeutlicher unterstrichen als in anderen. Für unsere Jahre erscheint die Debatteum die Darstellung der sozialen Schichtung des ländlichen Wohnens bemer-kenswert. Peter Michelsen hatte das Thema angeschlagen und von derNichtrepräsentanz der Häuser„ wirklichen Unterschicht" gesprochen, mit demeinprägsamen Satz:„ Wer nichts hat, kann auch nichts hinterlassen."( S. 31.)Josef Schepers konnte dagegen einwenden, daß er sich in Westfalen jeden-falls mehr Kötterhäuser beschaffen könnte als Häuser wohlhabender Besitzer,da diese öfter umgebaut worden seien. Alfred Kamphausen warf hier sehrrichtig ein,„ daß die Freilichtmuseen in erster Linie ethnographisch arbeiten,und hier sei die Darstellung des sozialen Bezuges immer sehr problematisch;sehr subjektive Interpretationen seien nicht zu vermeiden". Das gilt, mutatismutandis, eigentlich für alle Museen und man sollte sich gelegentlich wiederan diese Problematik und ihre Diskutierbarkeit erinnern.
Leopold Schmidt
Walter Haas, Franz Alois Schumachers„ Isaac". Eine Volksschau-spielparodie aus dem 18. Jahrhundert. Text und Untersuchungen(= Luzer-ner Historische Veröffentlichungen, Bd. 4). Luzern 1975, Rex- Verlag.370 Seiten, 4 Abb. Sfr 42,-.
Moritz Enzinger, der vor kurzem verstorbene Wiener Germanist, hat 1964ein bemerkenswertes kleines Mundartstück veröffentlicht:„ Der Engelsturz. Fast-nachtspiel in Tiroler Bauernreimen von Joseph Sieberer S. J."( Maske undKothurn, Bd. 10, Wien 1964, S. 324-375). Das Stück ist am ehesten als eineVolksschauspielparodie anzusprechen, wie sie im frühen 18. Jahrhundert ver-mutlich ganz gut auf einer Schulbühne aufgeführt werden konnte; veröffentlichtist sie freilich damals nicht worden.
Walter Haas hat ein größeres Gegenstück dazu herausgegeben, den Luzerner„ Isaac" des geistlichen Verfassers Franz Alois Schumacher, der auch eine Zeit-lang Jesuit war. Haas hat Enzingers Veröffentlichung leider nicht gekannt, aberden ,, Engelsturz", der ja in der Österreichischen Nationalbibliothek liegt, sichimmerhin als Text beschafft. Franz Alois Schumacher hat 1743 als Rothen-burger Pfarrer diesen„ Isaac" geschrieben, als mundartliches Fastnachtspiel, dasman am ehesten auch als eine Volksschauspiel- Parodie auffassen kann. DieLuzerner Regierung empfand das Stück freilich als skandalös und gottesläster-lich und ließ es nicht zur Aufführung kommen. Sie konfiszierte die Handschriftund daher blieb sie uns erhalten als„ Isaac der Alt testamentarische, in einemtyroler spihl zu Rotenburg bey Lucern von seinem vatter Abraham den 24. und25. Hornung 1743 schier gar erschossen". Also in einem tyroler spihl"- manmerkt den Zusammenhang mit Parodien wie dem„ Engelsturz" Sieberers undmag daraus auf eine ganze aufklärerische Unterströmung schließen, die in derBlütezeit des volksbarocken Schauspieles sich darüber belustigte, und zwar von
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