Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Erscheinungen mehrfach beschäftigt hat. Für den Kenner der bayerischen undösterreichischen Verhältnisse, nicht zuletzt des Flugblattliedes, ergibt es sichdoch, daß man sehr wesentlich mit der Gestaltung durch Mitglieder des Bene-diktinerordens rechnen muß. Aber mehrfache sehr starke Anstöße durch dieJesuiten waren selbstverständlich gegeben, das läßt sich noch im nachhinein imBereich der Volkskunst im Umkreis von ehemaligen Jesuitenmissionen durch-aus feststellen. Es wäre eben gut, wenn die Volksliedforschung dieser Art vonden anderen Spezialdisziplinen der Volkskunde, beispielsweise der Keramikfor-schung, stärker unterstützt würde. Was Moser mit sehr viel Mühe aus einigenwenigen Liedbeispielen herausgearbeitet hat, könnte doch beispielsweise durcheine schon längst fällige Ikonographie der Gmundner Majolika unterstützt undunterstrichen werden.

Man wird also vielleicht Mosers vorliegende Arbeit nicht als einenAbschluß einer bestimmten Bemühung anschauen dürfen. Sie bedeutet in ersterLinie eine kräftige Anregung zur Historisierung der Volksliedforschung undkann es sich leisten, als Pionierarbeit auch manche Unsicherheiten und Fehl-beurteilungen vorzutragen, die sich im Verlauf einer breiteren Durchführung desungemein wichtigen Themas gewissermaßen von selbst berichtigen werden.Leopold Schmidt

Herbert und Elke Schwedt, Malerei auf Narrenkleidern. Die Häs-und Hänselmaler in Südwestdeutschland(= Forschungen und Berichte zurVolkskunde in Baden- Württemberg). Bd. 2, Großformat, 80 Seiten und147 Abb. auf Tafeln, darunter 14 Farbtafeln. Stuttgart 1975, Verlag Müller& Gräff.

Das reiche Fastnachtswesen in Südwestdeutschland ist immer wieder ein-mal bearbeitet worden, zuletzt mehrere Jahre hindurch und mit großem Erfolgvom Tübinger Institut für Volkskunde aus. Dabei ist Herbert Schwedt mit seinerFrau Elke Schwedt auf die wichtige Erscheinung der bemalten Narrenkleideraufmerksam geworden. Die auf grobem Leinen bunt bemalten Narrehäs"gehören einer größeren Gruppe, Dekorierte Kleider", an, aus der sich diebestickten Gewänder verschiedener Faschingsbrauchfiguren in den Alpenländernherausheben, besonders im Salzkammergut. Ernst Burgstaller hat sich hier schonvor vielen Jahren eingehend damit beschäftigt. Manche Museen, nicht zuletztdas Österreichische Museum für Volkskunde, haben wichtige Proben davondavon erwerben können.

Schwedts gehen nicht davon aus, sondern von mittelalterlichen literarischenZeugnissen, besonders von der Haube des jungen Meier Helmbrecht, die freilichfür gewöhnlich nicht in dieser Richtung interpretiert wird ¹). Ein kurzer Umblickauf andere bestickte Gewänder wird angeschlossen, wovon die der Schembart-läufer hier am gewichtigsten erscheinen. Albert Walzer und Wilhelm Kutterhaben schon darauf hingewiesen, daß nicht mittelalterliche Vorgänger, sonderndie Harlekine, die oberitalienischen Narren der Barockzeit, für diese Ausgestal-tung der Weißnarren" maßgebend gewesen seien. So entschließen sich die Ver-fasser, hier der Theatergeschichte zu folgen, die man ja nicht auf das Fürsten-bergsche Hoftheater einschränken dürfte. Die starken Beziehungen zu den öster-reichischen Ausprägungen dieser Gestalten mit ihren italienischen, vor allemvenetianischen Hintergründen sind dennoch unterschätzt. Aber es geht ja in demBuch weniger darum, sondern um die Untersuchung der Verbreitung der bemal-ten Narrenkleider in Südwestdeutschland, die auch mit einer Karte unterstützt

1) Helmut Brackert, Helmbrechts Haube( Zeitschrift für deutschesAltertum und deutsche Literatur, Bd. CIII, 1974, S. 166 ff., mit reichen Litera-turangaben).

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