Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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nen, daß das Institut als bisherige Hauptaufgabe die Inventarisierung sämtlichermittelalterlicher Tafelbilder Österreichs durchführt, mit genauem Photographie-ren nicht nur der ganzen Bilder, sondern auch aller wesentlichen Einzelheiten,und daß das auf diese Weise gewonnene Bildmaterial in einem eigenen Katalog-system genau ausgeworfen wird.

Für eine erste Veröffentlichung des Instituts hat man dennoch nicht aufdiesen Stoff zurückgegriffen, sondern Schriftzeugnisse zur Realienkunde bearbei-tet, wie sie zur Kommentierung der Bildzeugnisse laufend erarbeitet wurdenund werden. Es handelt sich in dem vorliegenden Band um drei voneinanderunabhängige Einzeluntersuchungen. Zunächst gibt Ernst Englisch den Ver-such einer realienkundlichen Interpretation von Ottokars Steirischer Reim-chronik". Kriegswesen, Festungsbau, Kleidung, Waffen, alles, was bei Ottokar anEinzelheiten erwähnt erscheint, wird hier so genau wie nur möglich erläutert.Es folgt die Dissertation von Helmut Hundsbichler, Realien zum Thema, Reisen' in den Reisetagebüchern des Paolo Santonino( 1485-1487)". Es istlange her, daß hier in dieser Zeitschrift auf die köstliche Übersetzung diesesReiseberichtes durch Rudolf Egger hingewiesen wurde. Die ungemein genaue,minutiöse Nacharbeit Hundsbichlers wird man gewiß schätzen, besonders für dieKärntner Landeskunde des Mittelalters ergibt sich sicherlich viel Beachtenswer-tes. Schließlich schöpft Gerhard Jaritz Die Reiner Rechnungsbücher( 1399bis 1477) als Quelle zur klösterlichen Sachkultur des Spätmittelalters" aus. Esist schon bemerkenswert, was sich aus dieser Quelle etwa zu den KomplexenSpeise und Trank im klösterlichen Bereich herausholen läßt.

Die Arbeiten von Hundsbichler und von Jaritz sind zusätzlich durch eigeneRegister erschlossen, was man dankbar begrüßen wird. Im ganzen handelt essich um Arbeiten, die gewissermaßen die Realienkunde wieder zu Moritz Heyne,ihrem Begründer, zurückführen. Fleißige Sachlichkeit, ungewöhnlich saubereAufbereitung des Stoffes, punktuelle Interpretation zeigen, wie man im KremserInstitut das Gebiet versteht. Irgendeine Anregung aus dem Gebiet der kultur-historischen Volkskunde scheint in diese Betrachtungsweise nicht eingeflossenzu sein. Der Stand dieser im Wesen positivistischen Forschung erlaubt diesoffenbar nicht oder auch noch nicht.Leopold Schmidt

Felix Czeike, Wien. Kunst- und Kultur- Lexikon. 207 Seiten mitzahlreichen Abb. München, Süddeutscher Verlag.

Es gab und gibt immer wieder Führer durch Wien, mehr oder mindergeglückte Photobücher und ähnliches. Dieses Büchlein, im Untertitel Stadt-führer und Handbuch" genannt, ist das neueste davon, und sicherlich eines derbesten. Der profunde Kenner Felix Czeike, der den, Groner" in Lexikon- Formatneu herausgebracht hat, war imstande, den sehr großen Stoff zweckmäßig zuraffen, im zweispaltigen Druck erstaunlich viel an knappem, aber durchaus les-barem Text unterzubringen, und noch die wichtigsten Bilder und Baupläne auchunterzubringen, alles gleich jeweils in die Spalte gedruckt. Das ist eine beacht-liche Leistung, selbst gute Wien- Kenner werden ihre Freude daran haben.

Unsereiner schaut begreiflicherweise nach, wie die Volkskunde vertretenist, und man wird nicht unzufrieden sein: Das Hauptgebäude des Museums wirdin einer ganzen Spalte( S. 97) unter Laudongasse" geschildert und die Samm-lung Religiöse Volkskunst in einer halben Spalte, aber dafür mit dem schönenChristus- als- Apotheker- Bild unter Johannesgasse"( S. 86). Man muß also unterden Straßen- und Gassennamen nachschlagen, kann aber im Zweifelsfall dasgut gearbeitete Register zu Rate ziehen.Leopold Schmidt

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