Volkskunde kommen, die viele Jahre lang beim Biedermeier- Bauern aufgehörthat." Wer es von den Jüngeren gar nicht verstehen kann, der möge die folgen-reiche Geschichte, die nun auch schon ,, Geschichte" der( leider nicht immer nur„ fachlichen") Auseinandersetzung um das bleibende Postulat neuer, gegenwarts-bezogener Forschungsausrichtung ist, nachlesen( ÖZV 1952, 94-96) samt Ent-gegnung, Ripost und Salut usw. in der Terminologie einer Fechtersprache, die,, man" heute auch nicht versteht, weil es„ antiautoritär”-selbstverständlich unddemokratisch- gefahrlos geworden ist, statt im Geistigen Florett zu fechten, mitgroßen Parolen offene Türen einzurennen...
Also lieber nicht als Rezensent in Abschiedsjahren mit der Hand müdeabwinken und„, Ben Akiba- Is eh scho alls da g'wes'n!" sagen. Vielmehr einehrliches ,, Gratulor!" zur Gründung eines Instituts für Gegenwartsforschung imRahmen jener Akademiestätte des Geistes, die seit ihrer Gründung 1847 weiß,daß alles Seiende ein Gewordenes ist und daß„ Geschichte" immer„ gegenwär-tig" und zugleich ein Werdendes war und bleiben muß. Und ein„ Vivat, crescat,floreat!" für ein solches Institut, das wenig„ Programm" verkündet, vielmehrdas aufarbeitet, was uns alle Tage umgibt als„ Volkskultur" im weitesten Sinne,nicht zuletzt auch in jener auf„ Schau" gerichteten Ritualisierung unserer gesam-ten öffentlichen und weithin des privaten Lebens einer säkularisierten Indu-strie- und Massengesellschaft, deren„ Probleme der Gegenwartsvolkskunde"L. Schmidt selber 1974 als Nummer 1 der Mitteilungen dieser Forschungs-stätte vorgelegt hat.
Das sind Voraussetzungen, die ein Vorwort( 7-9) nennt, die eine Einlei-tung( 10-15) schildert, als Rechtfertigung des still angelaufenen und fleißigarbeitenden Unternehmens im Werden des schwierigen, oft verkannten Unter-nehmens, eine„ Gegenwartsvolkskunde" zu einer gegenwartsbezogenen Sozio-logie, Wirtschaftswissenschaft,„ Zeitgeschichte" usw. auch institutsmäßig zuetablieren. Dies als brauchbar und notwendig neben und zu den großen, dank-bar gerühmten Bibliographien( Internationale Volkskundliche Bibliographie,Österr. Volkskunde. Bibliographie; landeskundliche Schriftenverzeichnisse u. ä.)mit einem vorläufigen Schema, das( durch ein breites Register S. 125-153erschließbar) aufnimmt, was sich in 1485 Einzelnachweisen erstaunlich reich alsbisherige ,, Ernte" schon darbietet, sozusagen als ein besonderer Spiegelaspekt inunserer tiefgreifend und rasch sich wandelnden Welt.
Leopold Kretzenbacher, München
Die Funktion der schriftlichen Quelle in der Sachkulturforschung(= Veröffent-lichungen des Instituts für mittelalterliche Realienkunde Österreichs derÖsterreichischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 1). Wien 1976, Verlagder Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 271 Seiten mit 9 Tabel-len und 5 Abbildungen.
Die Philosophisch- Historische Klasse der Österreichischen Akademie derWissenschaften verfügt erst seit wenigen Jahren über eigene Institute. DieInstitute, von eigenen Direktoren geleitet, unterstehen den jeweiligen Kuratoriender Klasse. Es handelt sich also um sorgfältig überdachte Gründungen, für dieletzten Endes immer die Akademie selbst die Verantwortung trägt.
Das Institut für mittelalterliche Realienkunde ist in Verfolg der Arbeitenvon Harry Kühnel, dem Stadtarchivdirektor von Krems, gegründet worden.Er ist seit der Gründung sein Direktor. Dadurch, daß das Land Niederösterreichund die Stadt Krems zu den Kosten des Institutes beitragen, hat es sich ermög-lichen lassen, daß das Institut über wissenschaftliche Mitarbeiter verfügt, diesich mit der mittelalterlichen Realienkunde bis in die speziellsten Einzelheitenbeschäftigen können. Ihr großes Anschauungsmaterial haben sie dadurch gewon-
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