Chronik der Volkskunde
Die Andrian- Werburg- Medaille der Anthropologischen Gesellschaft in Wien
Der Ausschuß der Anthropologischen Gesellschaft in Wien hat in seinerSitzung am 9. Oktober 1974 die Schaffung einer sichtbaren Ehrung für Ver-dienste um die Anthropologische Gesellschaft beschlossen. Diese PRO- MERITIS-Medaille der Anthropologischen Gesellschaft in Wien ist eine Gußmedaille ausBronze mit einem Durchmesser von etwa 100 mm, die vom akademischenMedailleur Wolfgang Pichl gestaltet und deren Entwurf vom Bundesministeriumfür Unterricht und Kunst angekauft wurde. Die Aversseite zeigt ein Brustbilddes Freiherrn Ferdinand von Andrian- Werburg. Andrian- Werburg lebte von1835 bis 1914 und hatte bereits bei der Gründung unserer Gesellschaft eifrigmitgewirkt. Von 1882 bis 1902 war er Präsident, von 1903 bis zu seinem Todeam 14. April 1914 Ehrenpräsident. Über diese vereinsinterne Tätigkeit hinauswar er durch seine umfangreichen wissenschaftlichen Arbeiten auf den Gebietender Volkskunde, Völkerkunde und Urgeschichte ein würdiger Repräsentant derIntentionen der Anthropologischen Gesellschaft. Gerade in einer Zeit fortschrei-tender Spezialisierung kann der verbindende Charakter dieser Gesellschaft nichtgenug betont werden. Deshalb wurde die Forscherpersönlichkeit Ferdinand vonAndrian- Werburg gleichsam als Motto der neugeschaffenen Medaille gewählt.Die Reversseite wurde in Anlehnung an einen menschlichen Kanon aus demJahre 1521 gestaltet. Dieser„ homo ad circulum" soll als Symbol der Anthro-pologischen Gesellschaft verstanden werden und darauf hinweisen, daß stets derMensch in seiner körperlichen, geistigen und kulturellen Vielfalt im Zentrumunseres forschenden Bemühens zu stehen hat.
Die PRO- MERITIS- Medaille der Anthropologischen Gesellschaft in Wienkann vom Ausschuß durch einen Beschluß mit Zweidrittelmehrheit aller Aus-schußmitglieder jenen Personen verliehen werden, denen auf diese Weise Dankund Anerkennung für ihre Verdienste um die Anthropologische Gesellschaftausgedrückt werden soll.
Die ersten beiden Medaillen wurden am 12. Mai 1976 in einer festlichenAusschußsitzung der Anthropologischen Gesellschaft in Wien an Univ.- Prof.Dr. Walter Hirschberg und Hofrat Dr. Johann Jungwirth überreicht.
Fritz E. Barth
Institut für Gegenwartsvolkskunde in Mattersburg
Am 26. September 1976 wurde die Arbeitsstelle des Institutes für Gegen-wartsvolkskunde der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Matters-burg im Burgenland eröffnet. Die Arbeitsstelle, deren Unterbringung durch dieBurgenländische Landesregierung gefördert und durch die Stadt Mattersburgdurchgeführt wurde, nimmt den ersten Stock des ehemaligen Rathauses vonMattersburg ein, in dessen Erdgeschoß das Mattersburger Heimatmuseum unter-gebracht wurde. Das Institut enthält neben den Arbeitsräumen auch einen großenAusstellungsraum, in dem zunächst die Ausstellung, Wandlungen desländlichen Wohnens in der Gegenwart" gezeigt wird. Die Aus-stellung, welche in drei Gruppen 1. Zeitungsberichte und-bilder, 2. Alte und
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